Győry, Tiberius von dr.: Semmelweis' gesammelte Werke (Jena, 1905)

Semmelweis' Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber

Semmelweis’ Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber. 79 nanntem sporadischen Kindbettfieber verzeichnet worden sind, wo man auf eine Infection mit zersetzten, thierisch-organischen Stoffen über­haupt nicht denken könne und hebt den Umstand hervor, dass zu ge­wissen Zeiten sämmtlicbe gegen die Infection empfohlenen Mittel ver­gebens angewendet wurden, während im Gegentheil zu anderen Zeiten ihre Vernachlässigung ohne alle bemerkbaren bösen Folgen blieb. Wir bitten den geehrten Leser sich die einschlägigen Stellen unserer Abhandlung in das Gedächtniss zurückzurufen und darnach zu beurtheilen. ob die Lehre dieser Autoren mit der meinigen iden­tisch ist? Lumpe führt Folgendes gegen mich an: „Wenn man bedenkt, wie seit dem ersten Auftreten von Puerperalfieber-Epidemien die Beobachter aller Zeiten sich die Köpfe zerbrochen, um die Ursache derselben aufzufinden und ihre Entstehung zu verhüten, so muss uns die Semmelweis’sche Theorie geradezu wie das Ei des Columbus er­scheinen. Ich gestehe, dass ich selbst anfangs hocherfreut war, als ich von den glücklichen Resultaten der Chlorwaschungen hörte, und es ist es mit mir gewiss Jeder gewesen, der das Unglück hatte Zeuge zu sein, wie so viele in jugendlicher Frische erblühende, kräftige Individuen der verheerenden Seuche eben so schnell zum Opfer fielen, als manche entnervte, gebrechliche Jammergestalt. — Die Logik aber hat seine Freude hierüber getrübt, da während seiner Dienstzeit im Wiener Gebärhause zwischen dem Maximum und Minimum der Sterb­lichkeit in einzelnen Monaten eine derartige Schwankung eintrat, dass er gezwungen war anzunehmen: dass die Infection in einzelnen Monaten wohl die Ursache der Sterblichkeit sei, in anderen Monaten aber ist sie es nicht, Da aber das logisch unmöglich ist, so ist auch die Lehre von der Infection eine Irrlehre.“ Wenn Lumpe meine Lehre über das Kindbettfieber mit dem Ei des Columbus vergleicht, so spricht er aus meiner Seele, denn mir erscheint sie auch ganz so; ich selbst habe oft meine Verwunderung nicht darüber ausgesprochen, dass die überzeugenden Thatsachen des Wiener Gebärhauses diese Lehre mir aufdrängen, sondern darüber, wie es geschehen konnte, dass sie nicht schon lange vor mir von einem der vielen talentirten Aerzte, die im Wiener Gebärhause an­gestellt waren, entdeckt worden sei. Während der 2 jährigen Dienstzeit Lumpe's war die Sterblichkeit folgende. Im Monat Jahre 1840. Geburten Todte Monat Im Jahre 1841. Geburten Todte Juli 212 12 Jänner 254 37 August 216 22 Februar 239 18 September 270 38 März 277 12 October 215 63 April 255 4 November 216 42 Mai 255 2 December 222 48 Juni 200 10 I m Monat Jahre 1841. Geburten Todte Monat Im Jahre 1842. Geburten Todte Juli 190 16 Jänner 307 64 August 222 3 Februar 311 48 September 213 4 März 264 27 October 236 26 April 242 310 26 November 235 53 Mai 10 December fehlt Juni 273 18

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