Győry, Tiberius von dr.: Semmelweis' gesammelte Werke (Jena, 1905)

Semmelweis' Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber

466 Semmelweis’ Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber. Dr. L. Kugelmann schreibt: Hannover, 10. August 1861. Nur sehr Wenigen war es vergönnt, der Menschheit wirkliche, grosse und dauernde Dienste zu erweisen, und mit wenigen Aus­nahmen hat die Welt ihre Wohlthäter gekreuzigt und verbrannt. Ich hoffe deshalb, Sie werden in dem ehrenvollen Kampfe nicht er­müden, der Ihnen noch übrig bleibt. Ein baldiger Sieg kann Ihnen um so weniger fehlen, als viele Ihrer literarischen Gegner sich de facto schon zu Ihrer Lehre bekennen. Wie ist es zu verwundern, dass Leute, die Jahre lang in Wort und Schrift unverständlich, vielleicht auch sich selbst, über Unverstandenes schrieben und redeten, diese Lücke ihrer Erkenntniss auch sofort zu verdecken streben. Nicht viele setzen die Liebe zur Wahrheit über die Selbstliebe. Manche sind wohl in gewohnter Selbsttäuschung befangen. Auf andere wieder passt der derbe Sarcasmus Heinrich Heine’s, der irgendwo sagt: „Als Pythagoras seinen berühmten Lehrsatz entdeckt hatte, opferte er eine Hekatombe. Seitdem haben die 0 ........... eine instinctartige Furcht vor der Entdeckung von Wahrheiten.“ Vergessen Sie übrigens nicht, verebrtester Freund, dass Sie vor­wiegend die Stimmen Ihrer Gegner vernehmen, nicht aber erfahren, wie viele sich von Ihnen belehren lassen. Als Beweis sende ich Ihnen beifolgende Zeilen, mit denen mir der Medicinalrath Dommes, Mitglied des Ober-Medicinal-Collegiums und beschäftigter Geburts­helfer hier selbst, Ihr Buch zurückschickte, welches ich ihm mit- getheilt habe. Medicinalrath Dommes schreibt: Hannover, 3. Juni 1861. Mit vielem Danke sende ich Ihnen, lieber Collega, das so sehr gelungene Buch von Semmelweis zurück. Ich habe viel daraus gelernt, und auch, wie man für die Wahrheit kämpfen muss. Dr. Pernice, Professor der Geburtshilfe in Greifswald, schreibt: Für die Sendung der offenen Briefe sage ich Ihnen meinen besten Dank. Ich muss es einer sorgfältigen Beobachtung anheim geben, in wie weit die von Ihnen angeregten Massregeln zur gänzlichen Be­seitigung des Puerperalfiebers geeignet sind. Sie werden selbst nicht verlangen, dass man in verba Magistri schwört. Die nöthigen Mass­regeln sind bereits getroffen, und werde ich, seiner Zeit Ihnen davon Nachricht zu geben, wie die Erfolge sich gestalten, nicht verfehlen. Mit grösster Hochachtung Euer Hochwohlgeboren ergebenster Dr. Pernice. Greifswald, 22. Juli 1861. (Ich habe es für meine angenehme Pflicht gehalten, Prof. Pernice wegen seines guten Vorsatzes brieflich mein Compliment zu machen.)

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