Győry, Tiberius von dr.: Semmelweis' gesammelte Werke (Jena, 1905)
Semmelweis' Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber
Contagionisten Fälle anführen konnten, wo es unzweifelhaft war, dass eine gesunde Wöchnerin von einer kranken Wöchnerin das Puerperal- Fieber bekommen hat, weil ein zersetzter Stoff von der kranken Wöchnerin auf die gesunde übertragen wurde, und warum die Gegner der Contagiosität ebenfalls Fälle anführen konnten, wo die Uebertragung nicht geschehen, welche doch geschehen hätte müssen, falls das Kindbettfieber eine contagiöse Krankheit wäre; in diesen Fällen ist kein zersetzter Stoff übertragen worden. Wenn Herr Hofratli die Thatsache, dass manchmal in der Praxis einzelner Geburtshelfer oder Hebammen ungewöhnlich viele Kindbettfieberfälle Vorkommen, dadurch erklären, dass die Geburtshelfer und Hebammen das Puerperal-Contagium von kranken Wöchnerinnen auf gesunde übertragen, so ist die Erklärung dieser Thatsache eine irrige. Denken sie sich, Herr Hofrath, eine Frau, welche am Gebärmutterkrebs leidet; die Kranke lässt sich täglich mehrere Male durch ihre Hebamme Einspritzungen machen; die Krankheit zieht sich durch mehrere Monate hin; wird diese Hebamme nicht die Kreissenden inficiren, welche sie während dieser Zeit untersucht? ihr Professor hat ihr ja nicht gesagt, dass dadurch das Kindbettfieber entsteht. Behandelt ein Arzt, welcher zugleich Geburtshelfer ist, eine Krankheit, welche zersetzte Stoffe erzeugt, und welche sich in die Länge zieht, so wird der Arzt so gut wie die Hebamme während dieser Zeit viele Kindbettfieber erzeugen; er ist ja eben so wie die Hebamme von seinem Professor der Geburtshilfe in Unwissenheit über die Entstehung und Verhütung des Kindbettfiebers gelassen worden, aus dem einfachen Grunde, weil ja so etwas der Professor selbst nicht weiss. Herr Hofrath sagen, das Miasma oder Contagium bildet nur einen Factor der Entwicklung des Kindbettfiebers; die übrigen Fac- toren, welche auch das Kindbettfieber hervorrufen, sind nach Ihnen, Herr Hofrath, folgende: die puerperale Constitution selbst, der Geburtsact, die Verwundung der inneren Fläche des Uterus, die unvollkommene Zusammenziehung und Rückbildung des Uterus nach der Geburt, die mangelhaften oder stockenden Se- und Excretionen der Lochien, Gemüthsaffecte, die Individualität, Diätfehler, zu hohe Temperatur des Wochenzimmers, Erkältung. Meine Ueberzeugung ist, dass es nur eine Ursache des Kindbettfiebers gibt, und diese eine Ursache für alle Fälle, keinen einzigen Fall von Kindbettfieber ausgenommen, ist ein zersetzter thierisch- organischer Stoff; dass demnach nur das ein ätiologisches Moment des Kindbettfiebers ist, welches dem Individuum einen zersetzten Stoff von Aussen einbringt, oder was in den Individuen einen zersetzten Stoff entstehen macht. In wie ferne diese aufgezählten Umstände den Individuen einen zersetzten Stoff von Aussen beibringen, oder in wie ferne selbe in den Individuen einen zersetzten Stoff entstehen machen, in wie ferne selbe daher ätiologische Momente des Kindbettfiebers sind, und in wie ferne diese Umstände wreder den Individuen einen zersetzten Stoff von Aussen beibringen, noch in den Individuen einen zersetzten Stoff entstehen machen, in wie ferne selbe daher keine ätiologischen Momente des Kindbettfiebers sind, darüber kann der Leser meine^ Ansicht finden in meinem Werke an den Stellen, in welchen ich die Scan- zoni’sche und Carl Braun’sche Aetiologie des Kindbettfiebers beurtheile. Semmelweis’ Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber.