Győry, Tiberius von dr.: Semmelweis' gesammelte Werke (Jena, 1905)

Semmelweis' Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber

Die offenen Briefe an Professoren der Geburtshilfe. 439 wurden, über welche Gegenstände Sie sich, Herr Hofrath, in meiner Schrift, Seite 111, Zeile 3 von unten*), Belehrung suchen können. Meine Lehre basirt darauf, dass Dr. Bednar die Sepsis des Blutes bei Neugebornen im Wiener Findelhause nach Einführung der Chlor­waschungen seltener werden sah (Seite 69, Zeile 8 von oben**)). Meine Lehre basirt darauf, dass an der ersten Geburtsklinik zu Wien, obwohl, wie wir im Briefe an Prof. Spaeth nachgewiesen, dort in 10 Jahren 1083 verhütbare Infections-Fälle von Aussen vorge­kommen sind, dennoch in eben den 10 Jahren 2982 Mütter gerettet wurden und die Kinder, welche von den 2982 Müttern inficirt ebenfalls gestorben wären, weil in Folge meiner Lehre, obwohl immer nur Gegner von mir dort wirkten, dennoch die Sterblichkeit auf ein Drittel der früheren Sterblichkeit herabgedrückt wurde; gewiss, ohne meiner Lehre, würde sich die Sterblichkeit in dem Grade fortgesetzt haben, in welchem sich selbe während der sechs Jahre, wo die erste Klinik Klinik für die Aerzte war. ohne Chlorwaschungen, ereignete; es wären mithin in diesen 10 Jahren nicht 1491, sondern 4473 Wöchne­rinnen gestorben. Meine Lehre basirt darauf, dass Michaelis, schmerzlichen Ange­denkens, meine Lehre im Gebärhause zu Kiel bestätigt gefunden. Meine Lehre basirt darauf, dass der Gesundheitszustand der Wöchnerinnen im Kopenhagener Gebärhause in Folge meiner Lehre ein günstiger ist, wrährend er früher so ungünstig war, dass die Existenz des Gebärhauses, wie Michaelis uns erzählt, in Frage gestellt war, obwohl Prof. Levy nicht meiner Lehre, sondern andern, nicht stichhältigen Gründen, wie wir in unserer Schrift nachgewiesen, die Verbesserung des Gesundheitszustandes zuschreibt. Ihre Lehre, Herr Hofrath, basirt auf den Leichen, aus Unwissen­heit ermordeter Wöchnerinnen, und nachdem ich den unerschütter­lichen Entschluss gefasst habe, dem Morden, so weit es in meiner Macht liegt, ein Ende zu machen, so richte ich an Sie, Herr Hofrath, folgende Aufforderung: Es sind nur zwei Fälle möglich. Entweder halten Sie meine Lehre für falsch, oder Sie halten meine Lehre für wahr; ein drittes gibt es nicht. Halten Sie meine Lehre für falsch, so fordere ich Sie hiermit auf, mir die Gründe mitzutheilen, warum Sie meine Lehre für falsch halten. Ich habe zwar in meiner Schrift über Kindbett-Fieber 103 Druck­seiten verwendet, blos um alle ihre Irrthümer und Täuschungen, von welchen Sie in Bezug auf das Kindbettfieber gefangen gehalten werden, zu widerlegen; sollten Ihnen meine Gründe nicht genügen, oder haben Sie neue Zweifel, so fordere ich Sie hiermit auf, mir selbe öffentlich mitzutheilen; ich werde Ihnen öffentlich die nöthige Belehrung er- theilen, weil es ausser Ihnen noch viele gibt, die einer Belehrung in Betreff des Kindbettfieber benöthigen. Halten Sie meine Lehre für wahr, so fordere ich Sie hiermit auf, das öffentlich, ohne Kückhalt zu erklären, nicht um mir eine Genugthuung zu verschaffen, sondern um Ihre Schüler und Schülerinnen, die Ihnen ausserhalb des Gebär­hauses die Leichen zur Bestätigung Ihrer Lehre liefern, der Wahrheit *) [Seite 165, Zeile 6 von oben.] **) [Seite 139, Zeile 14 von oben.]

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