Győry, Tiberius von dr.: Semmelweis' gesammelte Werke (Jena, 1905)
Die ersten Bekanntmachungen der Semmelweis'schen Lehre
24 Die ersten Bekanntmachungen der Semmehveis’schen Lehre. Erfolg war ein überraschend günstiger; denn während in den Monaten April und Mai, wo diese Massregel noch nicht gehandhabt wurde, auf 100 Geburten noch über 18 Todte kamen, verhielt sich in den folgenden Monaten bis inclusive 2 6. November die Anzahl der Todten zu den Geburten wie 47 zu 1547, d. h. es starben von 100 — 2,45. . . . Durch diese Thatsache wäre vielleicht auch das Problem gelöst, warum in Hebammen-Schulen ein so günstiges Mortalitäts-Verhältniss im Vergleiche zu den Bildungsanstalten für Geburtshelfer herrscht, mit Ausnahme der Maternüé in Paris, wo — wie bekannt — die Sectionen von Hebammen vorgenommen werden. Drei besondere Erfahrungen durften vielleicht diese so eben ausgesprochene Ueberzeugung noch weiter bestätigen, ja sogar den Umfang derselben noch erweitern. Dr. Semmelweis glaubt nämlich nach weisen zu können, dass: 1. durch vernachlässigtes Waschen einiger mit Ana - tomie sich beschäftigender Schüler im Monate September mehrere Opfer gefallen sind; dass 2. im Monate October durch häufige Untersuchung einer, an verjauchendem Medullar sarcom des Uterus leidenden Kreissenden, — wonach die Waschungen nicht beobachtet wurden; sowie endlich 3. durch ein, am Unterschenkel einer Wöchnerin vorhandenes, ein jauchiges Secret lieferndes Geschwür — mehrere von dem mit dieser gleichzeitig Entbundenen inficirt wurden. Also auch die U e b e rt ra g un g jauchiger Exsudate aus lebenden Organismen kann die veranlassende Ursache zum Pu er peralp rocesse abgeben. Indem wir diese Erfahrungen der Oeffentlichkeit übergeben, stehen wir an die Vorsteher sämmtlicher Gebäranstalten, von denen schon einige durch Herrn Dr. Semmelweis selbst mit diesen höchst wichtigen Beobachtungen bekannt gemacht wurden, das Ansuchen, das Ihrige zur Bestätigung oder Widerlegung derselben beizutragen. Fortsetzung der Erfahrung über die Aetiologie der in Gebäranstalten epidemischen Puerperalfieber. Im Decemberhefte 1847 dieses Journals wurde von Seite der Redaction desselben die höchst wichtige Erfahrung veröffentlicht, die Herr Dr. Semmelweis, Assistent an der ersten geburtshilflichen Klinik, in Hinsicht auf die Aetiologie des in Gebärhäusern epidemischen Puerperalfiebers gemacht hat. Diese Erfahrung besteht nämlich (wie es den Lesern unserer Zeitschrift noch erinnerlich sein wird) darin, dass Wöchnerinnen hauptsächlich dann erkrankten, wenn sie von Aerzten. die ihre Hände durch Untersuchungen an Leichen verunreinigt und nur auf gewöhnliche Weise gewaschen hatten, untersucht (touchirt) wurden; während entweder keine oder nur sehr geringe Erkrankungsfälle Statt fanden,