Schürer, Fritz von Waldheim dr.: Ignaz Philipp Semmelweis (Wien-Leipzig, 1905)

1846-1850. Assistent in Wien. Entdeckung der Ursachen des Kindbettfeiebers. Erfolge und Verfolgungen. Dozent. Abreisen von Wien

59 so eine Untersuchung ins Leben zu rufen, bei welcher wir Gelegenheit gefun­den hätten, die gegen uns erhobenen Beschuldigungen zu entkräften. Dies geschah aber nicht und wir verzichteten darauf, ein Gerücht Lügen zu strafen, welches uns in den Augen jener, die uns und unser Wirken im Prager Gebärhause kennen, nicht schaden konnte. Da aber gegen­wärtig Professor Skoda gegen die Prager Gebäranstalt und somit unmittel­bar auch gegen uns klagbar auftritt, so brechen wir unser Schweigen und veröffentlichen zur Widerlegung des oben erwähnten Gerüchtes die nach­folgende streng wahrheitsgemäße tabellarische Übersicht, welche zur Genüge dartun dürfte, daß das Erkrankungs- und Sterblichkeitsverhältnis der in der Prager Anstalt Entbundenen im Verlaufe der letzten 15 Monate unserer dortigen Wirksamkeit durchaus kein ungünstiges zu nennen ist. Wir heben diesen Zeitraum (vom 1. Juni 1847 bis 1. September 1848) deshalb hervor, weil es derjenige ist, innerhalb dessen Dr. Semmelweis die Chlorwaschungen auf der Wiener geburtshilflichen Klinik in Anwendung zu bringen anfing und weil die angebliche Unterlassung dieser Waschungen uns zum besonderen Vorwurfe gemacht wurde. ... Es starben somit innerhalb der Gebäranstalt von 2721 Wöch­nerinnen 45, d. i. l'6°/0, während sich auf der Wiener I. geburtshilflichen Klinik in den Monaten Juni 1847 bis April 1848 ein Mortalitätsverhältnis von 2’5°/0 ergibt. Es wäre daher das Sterblichkeitsverhältnis der im Prager Gebärhause behandelten Wöchnerinnen um 0*9% günstiger als jenes der Wiener I. geburtshilflichen Klinik. Obgleich nun in den bis jetzt von Seite der Wiener Arzte veröffent­lichten Mitteilungen nicht angegeben ist, ob und wie viele Wöchnerinnen auf die übrigen Abteilungen des Wiener Allgemeinen Krankenhauses trans­feriert und mit welchen Resultaten sie daselbst behandelt würden, somit eine Vergleichung mit den nachfolgenden Zahlen nicht streng möglich ist, so wollen wir doch, um uns von dem Vorwurfe, diesen wichtigen Punkt ver­schwiegen zu haben, zu verwahren, hier auch eine Übersicht der im Prager Allgemeinen Krankenhause verstorbenen, von der geburtshilflichen Klinik dahin transferierten Wöchnerinnen mitteilen. . . . Zählt man diese im Krankenhause verstorbenen 41 Wöchnerinnen zu den obenerwähnten 45 in der Gebäranstalt Verschiedenen, so ergibt sich für uns ein Sterblichkeitsverhältnis von 86 Toten zu 2721 Entbundenen, d. i. 3*1%. Damit nun auch hier ein Vergleich zwischen den Resultaten der Wiener und Prager Gebäranstalt durchgeführt werden könne, so wäre es sehr wünschenswert, wenn von Seite der ersteren Anstalt auch veröffentlicht würde, ob und wie viele Wöchnerinnen auf die übrigen Abteilungen des Krankenhauses transferiert wurden. Aber selbst in dem Ealle, daß in Wien gar keine solche Trans­ferierung stattgefunden hätte, was nicht angenommen werden kann, da Pro­fessor Skoda selbst erwähnt, daß die erkrankten Wöchnerinnen zuweilen von der Gebäranstalt in das Krankenhaus übertragen wurden, so bleibt unser Mortalitätsverhältnis nur um 0‘6°/0 ungünstiger, als jenes der Wiener Klinik, ein Unterschied, welcher gewiß in den Augen eines jeden Unbefangenen viel zu unbedeutend erscheinen wird, als daß er zu Voi'würfen für unsere Anstalt, zu Verdächtigungen und Beschuldigungen der daselbst angestellten Arzte berechtigen könnte. Es wurde allerdings auf den verschiedenen Abteilungen des Prager Allgemeinen Krankenhauses noch eine beträchtliche Anzahl von puerperal-

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