Schürer, Fritz von Waldheim dr.: Ignaz Philipp Semmelweis (Wien-Leipzig, 1905)

1846-1850. Assistent in Wien. Entdeckung der Ursachen des Kindbettfeiebers. Erfolge und Verfolgungen. Dozent. Abreisen von Wien

40 „a) Es wäre eine Tabelle anzufertigen, auf welcher, soweit die Daten reichen, die Zahl der Entbundenen und Gestorbenen von Monat zu Monat anzugeben wäre, und ein Verzeichnis der Assistenten und Studierenden in der Reihenfolge, in welcher dieselben an der Gebär­anstalt gedient und praktiziert hatten. Es sollten diejenigen Assistenten und Studierenden hervorgesucht werden, welche sich mit Leichen­untersuchungen befaßt haben, und aus diesem Verzeichnisse werde hervorgehen, ob die Zahl der Erkrankungen in der Gebäranstalt mit der Verwendung der Assistenten und Studierenden in der Sektions­kammer im Zusammenhang stehe. b) Es wären die sogenannten Gassengeburten auszuheben, weil, wenn die Ansicht des Dr. Semmelweis richtig ist, die auf der Gasse Entbundenen, welche, wenn sie in die Gebäranstalt gelangen, nur in dringenden Fällen untersucht werden, weniger Erkrankungen darbieten müssen. c) Es wäre durch eingeholte Berichte zu konstatieren, ob an allen Anstalten, worin Infektion durch Leichengift nicht angenommen werden kann, die Sterblichkeit geringer ist. d) Endlich wären Versuche an Tieren vorzunehmen.” Dieser Antrag rief im medizinischen Professorenkollegium heftige Kämpfe hervor. Professor Klein war natürlich schon a priori gegen denselben und faßte ihn als eine persönliche Beleidigung auf. Ein statistischer Vergleich des früheren und jetzigen Gesundheitszustandes auf der Klinik könne zur Aufklärung nichts beitragen, und überhaupt verbitte er sich jede Einmischung des Kollegiums in die Angelegenheiten seiner Klinik. Sein Freund v. Rosas, Professor der Augenheilkunde, sprang ihm bei und warf Skoda vor, sein Antrag bedeute eine Ehren­kränkung Klein’s. Skoda jedoch wußte durch seine sachlichen Gründe das Kollegium derart zu überzeugen, daß sein Antrag „mit sehr großer Majorität’’ angenommen und die Kommission sogleich ernannt wurde. Wahrscheinlich stimmte nur Reimann mit Klein und Rosas dagegen, alle übrigen Professoren, darunter Hyrtl, Rokitansky, Heller, Schroff, Schuh, Dumreicher, Dlauhy mit Skoda. Damit war die Sache jedoch nicht erledigt. Klein reichte gegen den Beschluß des medizinischen Lehrkörpers einen schriftlichen Protest beim Unterrichtsministerium ein. Sein Freund Rosas, der seit Beginn des Jahres 1849, dem Beginne der Reaktion, supplierender Vizedirektor der medizinisch-chirurgischen Studien war, hatte die Verhandlungen des medizinischen Lehrkörpers dem Ministerium vorzulegen, und diese prächtige Gelegenheit nutzte er nach Kräften aus, um Skoda bei der obersten Behörde anzuschwärzen. Am 8. Februar übersendete er die Sitzungsprotokolle von Mitte 1055 Januar 1849, Nr.------ mit folgenden Begleitworten: 1 38 „Endlich rügt er das Benehmen von Professor Skoda, welcher von dem Gesichtspunkte ausgehend, daß dem Lehrkörper die Pflege der Medizin anvertraut sei, die Niedersetzung einer Kommission zur

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