Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation
I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose
28 Das O’Dwyer sehe Instrumentarium wird durch eine Meßtafel aus Metall (Fig.. 6), bestimmt zur Auswahl der Tuben je nach dem Alter, und durch die Mundsperre ergänzt, welche in den Originaletuis noch als von O’ Dwyer konstruiertes S-förmiges Instrument gefunden wird (Fig. 6), später aber durch die auch von 0’ Dwyer angenommene, leicht zu behandelnde Denhard sehe Mundsperre (Fig. 11) ersetzt wurde1). Über die von 0’ Dwyer konstruierten sog. ,,runden“ Tuben und über die sog. ,,Heilt üben“, deren Verwendung spezielle Indikationen erheischen, will ich mich an dieser Stelle nicht ausbreiten, — die bezüglichen Aufklärungen über dieselben findet man in den entsprechenden Kapiteln. Zeitpunkt des operativen Eingriffs. 3. Kapitel. Zeitpunkt des operativen Eingriffs. Ich halte den operativen Eingriff, d. h. die Intubation beim Croup in jedem Falle, also sowohl in der Spitals- als auch in der Privatpraxis, dann für geboten, sobald die Larynxstenose bereits konstant geworden ist und einen solchen Grad erreichte, daß das Kind mit der beginnenden Erstickung zu kämpfen scheint, welcher Zeitpunkt nach der Einteilung von Rauchfuß der Grenze zwischen dem zweiten und dritten Stadium der Erkrankung entspricht. Es ist mir angenehm, feststellen zu können, daß Marfan in seiner jüngst erschienenen Arbeit* 2) denselben Standpunkt vertritt, indem er den günstigsten Zeitpunkt (le meilleur moment) für den Eingriff in folgendem bezeichnet: ,,C’est done du moment préasphyxie, marqué par le tirage in- teuse et permanent, qu’il faut intervenir.“ Ich stand stets auf obigem Standpunkte, und nach diesem Prinzip arbeite ich seit 1888, seitdem ich mich mit der operativen Behandlung des Larynxcroups intensiv befasse. Ich nahm stets gegen den frühzeitigen Eingriff Stellung und muß dies heute um so mehr tun und mich strenge an die obige Indikation halten, da wir wissen, daß bei Serumbehandlung ein ziemlich beträchtlicher Prozentsatz unserer stenotischen Kranken auch ohne operativen Eingriff in Heilung übergeht. Währenddem in den Jahren 1891—1894 durchschnittlich 19% unserer Croupkranken der Operation entging, vermieden in der Serumperiode von 1894—1905 36,5 %3) jeden operativen Eingriff (in dem Material Rankes 5% vor 1894 und durchschnittlich 33% seit 18944). Die diesbezüglichen detaillierten Angaben habe ich in der nachstehenden Tabelle zusammengestellt: x) Der Preis des Ermoldschen Etuis stellt sich auf 20 Dollars = ca. 83,33 Mark. 2) Le9ons cliniques sur la Diphthérie. Paris 1905. S. 357. 3) Bei der Beurteilung der Fälle wurde auch der geringste Grad der Stenose in Betracht gezogen. 4) Trumpp. Die unblutige operative Behandlung von Larynxstenosen mittels der Intubation. Leipzig 1900. S. 49. Fig. 11.