Diplomáciai Iratok Magyarország Külpolitikájához 1936-1945, 2. kötet
Függelék - VI. Inhalt der Aktenstücke
229. 28. 5. 1938 Bericht des ungarischen Gesandten in Berlin an den Außenminister Berlin Ribbentrop hat den englischen Botschafter in Berlin ersucht, die englische Regierung solle versuchen, auf Prag Einfluß zu gewinnen. Er sagte ihm, Henlein könne solange nicht aufgefordert werden, sich ruhig zu verhalten, solange die Minderheitenrechte eingeschränkt seien. Dem französischen Gesandten erklärte er, seiner Meinung nach wäre es nicht nötig, daß es zwischen Frankreich und Deutschland wegen der Tschechoslowakei zum Krieg komme; Hitler habe die deutsch —französische Grenze endgültig anerkannt, die Tschechoslowakei aber könne für Frankreich weder politisch noch strategisch so wertvoll sein, daß es sich lohnte, ihretwegen einen Krieg zu riskieren. Der ungarische Gesandte hat den Eindruck, daß die Deutschen auf den entschiedenen Schritt der Engländer nicht vorbereitet waren und daß sie niedergeschlagen sind. 230. 28. 5. 1938 Chiffretelegramm des Außenministers an den ungarischen Gesandten Budapest in Bukarest Der Gesandte wird angewiesen, dem rumänischen Außenminister mitzuteilen, nach Informationen der ungarischen Regierung sei auf der Konferenz von Sinaia zwischen den Staaten der Kleinen Entente eine Vereinbarung zustandegekommen, wonach Rumänien und Jugoslawien gesondert mit Ungarn verhandeln können. Der Außenminister hält es für zweckmäßig, in Bukarest lediglich über die rumänisch —ungarischen Beziehungen zu verhandeln. Mit Jugoslawien sollte in Belgrad verhandelt werden. 231. 30. 5. 1938 Bericht des ungarischen Gesandten in Moskau an den Außenminister Moskau In der Sowjetunion ist die Presse ständig mit dem tschechoslowakischen Problem beschäftigt; sie unterstützt die Prager Regierung und klagt Deutschland an, es wolle der Tschechoslowakei dasselbe Schicksal wie Österreich bereiten. Polen stellt sie neben Deutschland als Hauptgegner der Tschechoslowakei hin. Auch mit Ungarn beschäftigt sich die sowjetische Presse eingehend, rechnet es aber eher zu den von Deutschland bedrohten Gebieten, die unterstützt werden sollten, ehe sie sich, verbittert, in die Arme Deutschlands werfen. Auch Englands und Frankreichs Haltung wird analysiert; besonders kritisiert wird der englische Ministerpräsident, der durch seine Verhandlungen die Deutschen lediglich zu einer Aggression ermutige. Die englische und französische Regierung wird ständig zu einer energischeren Haltung aufgefordert. V. DIE DEUTSCH—UNGARISCH—POLNISCHE ZUSAMMENARBEIT GEGEN DIE TSCHECHOSLOWAKEI; DEUTSCHLAND- UND IT ALIENBESUCHE DER UNGARISCHEN STAATSMÄNNER; DAS ABKOMMEN VON BLED (2. Juni— 31. August 1938) 232. 2. 6. 1938 Berlin 233. Juni 1938 Moskau Chiffretelegramm des ungarischen Gesandten in Berlin an den Außenminister Im Sommer dieses Jahres will Hitler keinen Krieg. Im Falle eines gemeinsamen Krieges gegen die Tschechoslowakei erwartet Göring von Ungarn vor allem eine größere Hilfe durch Lebensmittellieferungen. Bericht des ungarischen Gesandten in Moskau an den Außenminister Der tschechoslowakische Gesandte in Moskau, Fierlinger, hat die Solidarität der Sowjetunion und die Einhaltung des sowjetisch — tschechoslowakischen Abkommens unterstrichen. Eine Einigung mit Ungarn hält er für möglich. Die besondere Aufmerksamkeit, die der tschechoslowakische Gesandte seinem ungarischen Kollegen gewidmet hat, führt der Gesandte auf Litwinows Einfluß zurück. 965