Inventare Teil 7. Inventar des Wiener Hofkammerarchivs (1951)

Die Bestände des Wiener Hofkammerarchivs - 36. Generalkassadirektion - 37. „Servanda“

36. und 37. Generalkassadirektionsakten und „Servanda“ 139 entschlossen war, beauftragte den Hofkammerpräsidenten, Vorkehrungen zu treffen, um im Falle einer feindlichen Invasion staatliche Vermögenswerte vor Schäden zu sichern. Besonders war an eine Flüchtung beweglichen Staats­gutes von Wien nach Brünn gedacht. Diese Vorkehrungen, die Ugarte im Einvernehmen mit den übrigen Hofstellen und mit Hilfe der Chefs der Landes­stellen nach dem Muster der Kriegsjahre 1805 und 1809 traf, fanden mit dem Sieg bei Leipzig ihr natürliches Ende. Die Abteilung „Sitzungs-Präsidialakten“ setzt sich aus zwei ganz verschiedenen Gruppen zusammen. Die zeitlich ältere Abteilung mit Stücken aus dem Jahre 1815 und 1816 (zwei Faszikel) und eigenem Protokoll enthält Akten über die durch das Handschreiben des Kaisers an den Finanzminister Grafen Philipp Stadion vom 6. Februar 1815 zur Regelung der Finanzen aus­gelösten Verhandlungen, welche zur Veröffentlichung der zwei Finanzpatente vom 1. Juni 1816 führten, von denen das erste die Errichtung einer „Privi­legierten österreichischen Nationalbank“, das andere die Bestimmungen über die Einziehung des Papiergeldes kundmachte. Die zweite Aktengruppe, die Zeit vom 1. August 1826 bis zum April 1829 umfassend, (vier Faszikel mit Register und Index) stellt die Akten des Präsidialbüros des damaligen zweiten Präsidenten der Hofkammer, Ludwig Grafen Taafe, dar. Die Bezeichnung dieser beiden Aktengruppen rührt offenbar daher, daß Nummer 1 ein Ersuchen des neuernannten Präsidenten an die Vizepräsidenten ist, alle in den Sitzungen vorgetragenen Stücke ihm zur Approbation vorzulegen. Der Teilbestand „Geheimes Präsidialprotokoll“, über die Zeit von 1813 bis 1822 reichend (sieben Faszikel und ein Register), ist eine Sonder­legung aus den Geheimen Präsidialakten. Auch die 15 Faszikel umfassenden Varia und Miszellenea sind Selekte aus der allgemeinen Reihe oder den Geheimen Präsidialakten. Sie danken ihre Sonderlegung entweder äußeren Umständen, wie etwa der Flüchtung der Hofkammer nach Ofen im Jahre 1809, oder sind Betreffselekte, wie die Faszikel über die Schaffung von Antizipationsscheinen 1813/14, die englischen Subsidien in diesen Jahren, die Banknotenfabrikation 1816—1821 u. a. m. 36. und 37. Generalkassadirektionsakten und „Servanda“ (1762—1771) Die Schaffung einer zentralen Generalkasse, als deren Registratur sich dieser Bestand darstellt, erfolgte mit kaiserlichem Handbillett vom 23. Dezember 1761 im Zuge der Reform der zentralen Finanz Verwaltung nach der Auf­hebung des Directoriums in publicis et cameralibus 1). Aufgabe dieser Zentral­stelle, an deren Spitze Karl Friedrich Graf Hatzfeld zu Gleichen berufen wurde, der auch die Präsidentschaft bei der Ministerialbanko- und der Ständischen Kreditdeputation innehatte, war die „obere Verwaltung und disposition“ aller in die staatlichen Kassen einfließenden Gelder. Der weite Wirkungskreis dieser Stelle spiegelt sich in ihrem unten mitgeteilten Registratursplan. Die von 1762 bis 1765 reichenden „Servanda“ sind jener Teil des Einlaufs, der Generalkasse, der zu einer weiteren Amtshandlung keinen Anlaß gegeben hat. Er hat die — später getilgte — Betreffaufschrift der Registratur der Generalkassa erhalten, fand aber sinngemäß keine Aufnahme in die den Aus­') Ö. Z. V. II/3, S. 194 ff.

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