Inventare Teil 5. Band 7. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)
Belgien, von Oskar Schmid
III. Rep. P: c) Die Registraturen der niederländischen Zentralbehörden. 101 Für die laufenden Akten des Staatssekretariates wurde aber auch fernerhin die alte Bezeichnung beibehalten. Maria Theresia spricht in einer Depesche vom 16. Juli 17541 von dem „Département des papiers courants du ci devant office de l’audiencier“. Die Obhut über diese Akten war damals einem Archivar „Coqui“, in dessen Abwesenheit einem Offizial „de Rons“ anvertraut.1 Aus der gleichen Depesche erfahren wir, daß an der Ordnung des Archivs des Conseil de Brabant schon seit längerer Zeit der Graf Goswin Wynants arbeitete, von welchem noch die Rede sein wird. Zur Zeit des österreichischen Erbfolgestreites und der kriegerischen Verwicklungen mit Frankreich war man gerade ernstlich darangegangen, eine Ordnung und Inventarisierung des Archivs der Audience und des Staatssekretariates vorzunehmen. Wir hören von dem Sekretär Dirix und den Offizialen Derdelin und le Doux, die damit betraut waren.1 2 Die Arbeit hatte kaum Fortschritte gemacht, als die Franzosen den größten Teil der österreichischen Niederlande und im Februar 1746 Brüssel besetzten. Die Archivalien wurden damals stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Widerspruch zum Artikel 14 der Kapitulation der Stadt Brüssel gingen die Franzosen daran, die ihnen wichtig scheinenden Archivalien wegzuschaffen, und zwar noch im Jahre 1748, als die Friedensverhandlungen schon im vollen Gange waren.3 An dieser Stelle scheint es angebracht, uns eingehender mit dem Werke Dirix’ zu beschäftigen, das ein Bild der ursprünglichen Zusammensetzung der „Papiers d’État et de l’Audience“, Abteilung A—E, bietet. Es handelt sich dabei um einen von dem Sekretär des Conseil d’état C. Dirix im Jahre 1749 vollendeten Behelf, der auf seinem Rücken die Aufschrift trägt: „In- ventaire des Archives du Conseil d’Etat et de l’Audience de Sa Majesté depuis 1184 jusqu’ä 1690, 1700 ...“. Er bildet heute den Band ad 25, bzw. 25 der Reihe der „Indices, Protokolle, Verzeichnisse, Inventare“.4 Ad 25 ist ein sehr gut erhaltener, stattlicher Folioband, in Leder gebunden. Eine minder gute Erhaltung weist der Band 25 auf; da die einzelnen Lagen und Blätter lose im Einbanddeckel liegen, sind sie durch Unachtsamkeit in Unordnung geraten und in diesem Zustand leider foliiert worden. Band ad 25 stellt nach einem von Dirix eingangs angebrachten Vermerk das von ihm, dem Sekretär Dirix, angelegte Inventar des Archivs des Conseil d’état et de l’audience dar, das einer Hofverordnung entsprechend 1 Vgl. Belgien Depeschen, Fasz. 39. 2 Um die gleiche Zeit (1745) erfolgte ein Vorschlag des Conseil privé, der zunächst in einem leider nicht mehr erhaltenen Bericht vom 15. Okt. 1745 Erwähnung findet und der auf eine Ordnung und genauere Inventarisierung des Archivs von Geldern hinzielt. Mit dieser Arbeit sei ein geschickter Offizial zu beauftragen (der damalige Grand maitre de la Cour Graf Kaunitz hielt es allerdings für unangebracht, mit dieser Arbeit nur einen Offizial zu betrauen). Die Arbeit habe unter Aufsicht des dermaligen Kanzlers von Belgien „Baillet“ vor sich zu gehen und für die Ausführung derselben sei die Wahl zu treffen zwischen dem Official des finances „Chartrien“ und denen der Chambre des comptes „Rosart“ und „Ferry“. Das Conseil privé wäre fortlaufend über den Stand der Arbeiten in Kenntnis zu setzen (vgl. Belgien Depeschen, Fasz. 28. Maria Theresia an Kaunitz, 1745 Nov. 27). 3 Ebenda, Fasz. 30. Maria Theresia an Batthyány, 1748 Okt. 9. 4 Siehe S. 103 Anm. 3 und unten IV d.