Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)
Die Handschriftenabteilung von Fritz Antonius
II./2. B. Hofkammer — C. österr. Hofkanzlei. 185 B. Hofkammer. Yon der Provenienz Hofkammer läßt sich nur sehr wenig in unserer Sammlung ermitteln, denn jene Manuskripte, die nachweislich von dort übernommen worden sind, waren fast durchwegs Provenienz Schatzgewölbe 1 und nur einen Band finden wir in den Ubernahmsakten, der tatsächlich in der Hofkammer entstanden zu sein scheint. Es ist Nummer 8 des Übergabsverzeichnisses von 1870, Hofkammersignatur D 52, Böhm Suppl. 406, ein Rechnungsbuch des niederösterr. Kammerrats David Hag von 1576. Die Unterschrift des letzteren finden wir auch in dem Band Suppl. 387, einem Urbar der Herrschaft Falkenstein in Oberösterreich aus dem Jahre 1570, das Josef Chmel dem Archiv gespendet hatte und das anscheinend zunächst bei den Österr. Akten, Oberösterreich, eingelegt war. Hierher gehören auch die Bände Böhm Suppl. 986, die Hauptrelation des Hofkammerrats Kempf von Angreth über Bayern 1745, Böhm Suppl. 1255, eine Instruktion für einen nicht namentlich genannten Hofkammerrat von 1674, im Jahre 1933 aus dem Archiv der Stadt Wien eingetauscht,1 2 und die beiden Aufsätze des nachmaligen Direktors des Hofkammerarchivs Franz Grillparzer, Suppl. 404 und 405. Endlich sind noch anzuführen als wichtigster Teil dieser Provenienzgruppe die Kopialbücher der Hofkammer Innerösterreich betreffend aus der Zeit Ferdinands I., Böhm Suppl. 384. Diese 26 Bände hatte Andreas v. Meiller im Jahre 1846 unter den steirischen Regierungsakten in Graz aufgefunden, wobei sich herausstellte, daß diese Bücher im Jahre 1564 von Wien nach Graz geschickt worden waren, damit dort die Innerösterreich betreffenden Stücke daraus kopiert werden könnten. Trotz wiederholter Urgenzen von Wien waren sie dann in Graz liegen geblieben. Nur Abschriften einiger Bände scheinen nach Wien gekommen zu sein. Meiller brachte sie nun sämtlich ins StA., wo sie zunächst bei den österr. Akten, Steiermark, eingeteilt und 1872 der Handschriftensammlung einverleibt wurden. Heute befinden sich davon nur mehr sechs Bände in Wien, und zwar Bd. 5—10, die Jahre 1540—1545 umfassend. Die übrigen wurden im Jahre 1922 dauernd an das steiermärkische Landesregierungsarchiv in Graz entlehnt.3 C. Österreichische Hofkanzlei. Auch aus den Beständen der österr. Hofkanzlei in ihren verschiedenen Organisationsformen, Entwicklungsstadien und Kompetenzen sind eine ganze Reihe von Handschriften ins StA. und in der Folge in unsere Sammlung gelangt. Freilich läßt sich die Herkunft dieser Bände nur in den seltensten Fällen aktenmäßig belegen und Zeitpunkt und Umstände der Einlieferung bleiben daher zumeist unbekannt. Wir sind auch hier in der Regel darauf angewiesen, die Provenienz indirekt zu erschließen. 1 Siehe oben S. 177. 2 Dieser Band steht der Hs. Suppl. 47, besonders aber dem dort erwähnten Stral- sunder Band sehr nahe; vgl. unten, Abschnitt „Einzelbände“, Nachlaß Senckenberg. 3 Vgl. oben S. 168 und unten Abschnitt Länderstellen, Graz.