Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Die Handschriftenabteilung von Fritz Antonius

172 Die Handschriftenabteilung. So finden wir schon in dem eigentlichen Grundstock unserer Samm­lung, den im Jahre 1749 aus der Hofbibliothek übernommenen Hand­schriften,1 eine ganze Anzahl von Bänden, die offenbar ursprünglich einem der Reichsarchivbestände angehört haben müssen, ohne daß wir über ihre frühere Verwahrung, Zeit und Art ihrer Ausscheidung usf. heute noch etwas sagen könnten. Hierher gehören u. a. die Bände Böhm Nr. 22, 136, 137, 438, 511, 618 und Suppl. Nr. 6, 9, 10, 20, 59, 60, 95 und 1183. Auch in den ebenfalls noch 1749 eingelangten Kinskyschen Manuskripten finden wir zwei vermutlich aus der Reichskanzlei stammende Bände: Böhm 750 und Suppl. 1007.1 2 Wenig später gelangten dann mit den Sammlungen Dumont und Nostitz3 weitere Reichshandschriften ins StA. So insbesondere die beiden Lehenbücher Bd. 13 und 15 des heute noch als „Sammlung Dumont“ ver­einigten Bestandes 4 und Teile der dortigen Sammelbände 6, 10, 30 und 31. Bei letzteren handelt es sich zumeist um einzelne beigebundene Original- Aktenstücke der Provenienz Reichskanzlei, wie Primariae Preces u. dgl. Wesentlich zahlreicher sind die Reichskanzleimanuskripte, die mit der Sammlung Nostitz ins StA. gekommen sind. Diese zum Teil sehr umfänglichen Handschriften entstammen den Prager Beständen der Reichs­kanzlei und sind auf weitem Umweg über Schweden ins StA. gelangt, wie an anderem Ort ausführlich dargelegt wird.5 Hier erübrigt daher nur die kurze Aufzählung der zur Provenienz Reichskanzlei gehörigen Bände der Nostitz’schen Sammlung. Es sind das die Handschriften Böhm 589, 595 und Suppl. 1031 und 1179.6 Hier wäre auch noch eine Anzahl weiterer Reichs­kanzleihandschriften anzuführen, die insofern mit der Sammlung Nostitz in einer gewissen Beziehung stehen, als sie ebenfalls von den Schweden 1648 aus der Prager Reichskanzlei geraubt worden sind. Es handelt sich da um die Handschriften jenes Bestandes, der damals nicht nach Schweden geschafft worden, sondern im Erskeinschen Archiv im Schloß Schwinge im Herzogtum Bremen verblieben, später ins StA. Hannover gebracht und endlich im Archivalientausch mit Preußen 1874 zum größten Teil nach Wien gelangt ist.7 Es sind das folgende Bände: Suppl. Nr. 465, 467, 482, 484, 495, 497, 501, 502 und 642. Eine weitere kleine Gruppe von „Reichsmanuskripten“, die für sich, getrennt von der großen Masse der übrigen, und zwar erst im Jahre 1929 ins StA. gelangt ist, bilden die aus Linz eingetauschten Bände Suppl. 1238, 1239, 1240 und 1241. Davon sind die ersten drei besonders deshalb inter­essant, weil sie aus dem Archiv einer Reichsbehörde — des Reichs­pfennigmeisteramtes — stammen, von dem das StA. sonst keiner­lei Niederschlag besitzt. Der vierte der Bände, ein gräflich Tillysches Kopialbuch, s. 17, scheint dem Archiv des Reichshof rats zu entstammen. 1 Siehe Abschnitt Sammlungen, Hofbibliothek. 2 Vgl. Abschnitt Sammlungen, Kinsky. 3 Siehe den Abschnitt Sammlungen, Dumont und Nostitz. 4 Hs. Suppl. 383. 5 Siehe Groß, Bd. I S. 289 und unten Abschnitt Sammlungen, Nostitz. 6 Suppl. 1179 Prov. Reichskammergericht; vgl. unten. ’ Vgl. Groß, Bd. I S. 289.

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