Inventare Teil 5. Band 6. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1938)

Die Handschriftenabteilung von Fritz Antonius

I. Geschichte der Sammlung. 169 Eine mehr als 100 Jahre zurückliegende, nicht eingehaltene Zusage der österreichischen Regierung betreffend eine Archivalienabgabe nach Grau­bünden sah sich die Direktion des StA. in den Jahren 1930 und 1931 genötigt, einzulösen. In dem zwischen den österreichischen und den bündnerischen Vertretern am 19. Jan. 1819 abgeschlossenen Vertrag betreffend die ehemals österreichische Herrschaft Räzüns war nämlich vereinbart worden, daß die seinerzeit nach Österreich geflüchteten Archi­valien dieser Herrschaft im Auffindungsfalle an den Kanton Graubünden auszuliefern seien. Eine solche Auslieferung war zwar seitens des StA. am 31. Dez. 1819 erfolgt, erstreckte sich jedoch nur auf eine Anzahl Akten­stücke, während die Handschriften in Wien blieben. Nun ersuchte der Kanton Graubünden, gestützt auf den Vertrag von 1819 und spätere Zu­sagen des Fürsten Metternich, um die Überlassung der noch im StA. er­liegenden Räzünser Codices, die denn auch, mit Ausnahme von zwei Bän­den, die als österreichischer Provenienz anzusprechen waren, zugestanden werden mußte. Es wurden fünf Bände an das Staatsarchiv des Kantons Graubünden ausgeliefert und damit der Vertrag von 1819 voll erfüllt.1 Diesen umfangreichen, seit dem Krieg erfolgten Abgaben standen nur wesentlich geringere Erwerbungen gegenüber. Es waren zum Teil aus anderen Beständen des Archivs ausgeschiedene Bände: aus dem Staatsrat (Suppl. 1228), den Hofarchiven (Suppl. 1229, 1230, 1267), der Staatskanzlei (Suppl. 1261), der Abteilung Rom (Suppl. 1262, 1277), Belgien (Suppl. 1271), Nachlaß Winter (Suppl. 1266), der Bibliothek des Ministeriums des Äußern (Suppl. 1273), zum Teil waren es Schenkungen, wie die Bände Suppl. 1234, 1235, 1236, 1265, 1268 und 1274.2 Aus anderen Archiven wurden die Bände Suppl. 1233 und 1275 übernommen, und zwar ersterer aus dem Archiv des Wiener Oberlandesgerichtes, letzterer aus dem Archiv für Niederösterreich. Durch Rückstellung aus den Beständen des ehemaligen Adelsarchivs kamen das Kölner Wappenbuch der Sammlung Straka (Suppl. 1263) und die Salz­burger Standeserhöhungen und Stammbäume (Suppl. 1269, 1270) wieder in die Sammlung. Ein Band (Suppl. 1276) wurde angekauft, aber sogleich als dauernde Leihgabe dem Museum Ferdinandeum in Innsbruck überlassen. Viel bedeutendere Zuwächse kamen als Frucht verschiedener Tausch­aktionen in die Sammlung, so 1929 aus dem oberösterreichischen Landes­archiv. Schon im Jahre 1923 war von dort dem StA. ein Index zu den Salzburger Kammerbüchern überlassen worden, der ursprünglich aus dem Besitz des salzburgischen Regierungsrates Franz Pichler stammte. Im An­schluß daran hatte das Landesarchiv einen weiteren Archivalientausch vorgeschlagen, aber erst 1929 nahmen diese Wünsche konkrete Gestalt an und führten zum Abschluß eines Tauschvertrages, der 17 Codices aus Linz nach Wien brachte, und zwar die Bände Suppl. 1237—1253. Die Pro­venienzen sind verschieden: Kloster Königsfelden, Reichspfennigmeister­amt, Staatskanzlei, Kabinettskanzlei, oberösterreichische Regierung (Burgau) und Salzburg; bei einigen Bänden steht die Herkunft wohl auch nicht ganz fest. 1 Ausgeliefert wurden die Hss. Böhm 489, 731, 743, 744 und 745; in Wien blieben Nr. 477 und 737. 2 Letztere Handschrift dem Archiv nur als Depot überlassen.

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