Inventare Teil 5. Band 4. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1936)

Reichsarchive von Lothar Gross

362 Reichsarchive. Frage. Von fremden Provenienzen kleineren Umfanges dürften vielleicht Wahlakten, die sich im Hofkammerarchiv befanden, in die Abteilung gelangt sein, über ihre Einteilung läßt sich jedoch nichts feststellen. Das gleiche gilt von dem Material über die Wahl Karls VI. aus dem Archiv des niederländischen Departements der Staatskanzlei. Ein 1813 als Bestandteil des Archivs genanntes Protokoll über die Kaiserwahl Franz’ I. ist gewiß auch der Abteilung einverleibt worden. Von den Zu­wächsen späterer Jahrzehnte muß zunächst der aus der reichshofrät- lichen Aktenkommission genannt werden. Dortselbst befanden sich zwei Faszikel mit Material über die Wahl und Krönung Maximilians II., Franz’ I. und Josefs II. und über die Huldigungen für Franz I., Leopold II. und Franz II., die nach der Auflösung der Kommission mit der Haupt­abteilung vereinigt wurden. Nicht unbeträchtlich war der Zuwachs aus der alten, sogenannten dritten Abteilung der Reichsakten, besonders für die Zeit Ferdinands I. und Maximilians II. (Fasz. 3), der teils noch durch Klemm, teils erst durch Winter der Abteilung zukam (AB. 106). Aus der Handschriftenabteilung des Archivs wurden zwei Bände, die wohl nur aus äußeren Gründen bisher dort aufgestellt gewesen waren, der Abteilung zugewiesen. Einiges erhielt sie auch aus dem preußischen Archiva- lienaustausch, zumeist alte Auszüge aus den Wahlakten von 1486 bis 1637, ihrer Provenienz nach wohl Reichskanzleiarchivalien aus der Samm­lung Erskein. Durch die Schenkung des Freiherrn Wilhelm von Klein kamen der Abteilung auch einige auf die Wahl Leopolds II. bezügliche Aktenstücke aus dem Bartensteinschen Nachlaß in Schloß Hen­nersdorf zu. Beträchtlicher war der Zuwachs aus dem Kabinetts­archiv, der in Akten über die Wahl Josefs II. bestand. Außer den vor­stehend angeführten haben Stichproben noch das Vorhandensein folgender fremder Provenienzen ergeben, ohne daß im einzelnen festzustellen wäre, wann sie in die Abteilung gelangten: Aktenstücke aus der Kanzlei Karls VI. als König von Spanien hauptsächlich aus dem Jahre 1711 (Fasz. 25 b und 25 c), Schreiben des böhmischen Wahlbotschafters Franz Ferdinand Graf Kinsky an den Hofkanzler aus den Jahren 1711 und 1712 (Fasz. 26), sie scheinen früher in den Miscellanea der Reichshofkanzlei ge­legen zu sein, wiewohl man annehmen muß, daß sie provenienzgemäß nicht aus dieser stammen, einzelne Stücke aus dem belgischen Archiv (Fasz. 2), ein Stück vom Jahre 1517, das früher in der niederländischen Urkunden­reihe lag (Fasz. 1) und von Winter 1891 seine heutige Einteilung erhielt. Zusammenfassend kann man sagen, daß der Anteil fremder Provenienzen bei dieser Abteilung gegenüber der Reichshofkanzlei viel stärker hervor­tritt als bei den Geistlichen Wahlakten. Die Berichte und Weisungen wur­den ebenso wie bei anderen Abteilungen auch aus den Wahl- und Krönungs­akten ausgehoben; wie aus den Bemerkungen Matth. Nowotnys im Reper­torium B a hervorgeht, erstreckten sich jedoch die Aushebungen hier nur auf den Zeitraum nach 1750 und waren auch für diese Zeit nicht voll­ständig. An Behelfen besteht außer dem bereits genannten Repertorium Ros- ners (AB. 106), das sich übrigens vielfach nur darauf beschränkt, anzugeben,

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