Inventare Teil 5. Band 4. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1936)
Reichsarchive von Lothar Gross
352 Reichsarchive. Weisungen an sie zur Abteilung (AB. 183/2). Ein ähnliches Bild wie die westfälischen Friedensakten zeigen auch die des Friedens von Nimwegen. Graf Ulrich Kinsky, der als kaiserlicher Bevollmächtigter zu den Nim- wegener Friedensverhandlungen abgeordnet wurde, erhielt zu seiner Instruktion auch eine Anzahl von Akten, zumeist in Abschrift. Dieser Aktenband ging dann in den Besitz des Grafen Ulrich Kinsky, dessen Wappen die Aktenbände tragen, über und wurde samt anderen Bänden erst von Rosenthal wieder in Kinskys Nachlaß in der alten österreichischen Hofkanzleiregistratur aufgefunden.1 Die übrigen, sehr umfangreichen Akten zum Nymwegener Kongreß sind ihrer Provenienz nach teils aus der Registratur der Friedensdelegation, teils der österreichischen Hofkanzlei und teils auch der Reichshofkanzlei. Wie sie im einzelnen ins Archiv gelangten, läßt sich nicht mehr feststellen. Wahrscheinlich wurden auch sie von Rosenthal im Nachlaß Kinskys gefunden. In der Provenienz der Akten der späteren Friedensschlüsse, besonders der des 18. Jahrhunderts, herrscht größere Einheitlichkeit, sie gehören zum allergrößten Teil der Reichshofkanzlei an. Von fremden Provenienzen sind, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, zu erwähnen die Kanzlei des Erzherzogs Leopold Wilhelm, aus der Aktenstücke im Fasz. 49 b und 103 (früher Abteilung Belgien PC, Fasz. 417k) zu finden sind, ferner der Spanische Rat (Fasz. 187 b, mit Korrespondenzen an den Grafen Cristiani), das Archiv des Grafen Gabriel Verri von seiner Mission am Kongreß zu Nizza 1748/49 (Fasz. 188 a und 188 b). Die Akten Verris haben aller Wahrscheinlichkeit nach auch mit den Akten des Spanischen Rates ihren Weg ins Archiv gefunden. Die letztgenannten Akten scheinen erst spät mit der Abteilung vereinigt worden zu sein, das gleiche gilt von einem früher in der Abteilung Spanien (Fasz. 46) gelegenen Heft mit Akten des Jahres 1650 über die Festung Frankenthal (Fasz. 103). Nach der in spanischer Sprache abgefaßten Aufschrift des Umschlagdeckels dieser Akten scheint es sich hier möglicherweise um Akten der spanischen Botschaft in Wien zu handeln, der anscheinend von der Reichshofkanzlei gewisse Aktenstücke zur Kenntnis gebracht wurden. Wie diese Akten der Botschaft, die übrigens in der Abteilung Spanien mehrfach begegnen, in den Besitz der kaiserlichen oder österreichischen Stellen gelangt sein mögen, bleibt unklar. Von späteren Zuwächsen seien auch noch einige Aktenstücke erwähnt, die vom steiermärkischen Landesarchiv abgegeben wurden. Es wurde schon erwähnt, daß Knechtl sich mit den Friedensakten eitrigst beschäftigt hat. Mit Rosners Hilfe begann er die Anlage des eingehenden zweibändigen Repertoriums F (AB. 111/1, 2). Während Rosner den zweiten Band vollenden konnte, fand Knechtls Arbeit am ersten Band durch seinen Tod ein Ende. Der erste Band wurde dann durch Klemm vollendet, soweit er nicht auch von Rosner gearbeitet wurde. Das Repertorium ist auch heute noch dank seiner Genauigkeit der beste Behelf für die Abteilung. Verluste hatte die Abteilung seit der Vollendung des 1 Note Rosenthals an die Reichskanzlei vom Jahre 1755, Reichskanzlei Verf.-Akten Fasz. 43, Nr. 45.