Inventare Teil 5. Band 4. Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs (1936)

Biographien der Archivbeamten seit 1749 von Franz Hüter

164 Biographien. 1921 hatte W., der über sehr vielseitige Sprachkenntnisse verfügte (eng­lisch, französisch, ungarisch, italienisch, tschechisch), die Überführung in den diplomatischen Dienst angestrebt, sein Wunsch wurde erst Wirklich­keit, als er bereits auf dem Sterbebette lag. Schon aus diesen Angaben über W.s Karriere geht die Unbefriedigtheit über die nun einmal entsagungsvolle, an äußeren Erfolgen arme archivalische Laufbahn hervor, welche W. das Leben verbitterte. W. war dem Referate der Archivliquidierung zugeteilt und erledigte die zahlreichen amtlichen und privaten Anfragen und Akten­anforderungen betreffend die ihm unterstehenden Aktenmassen der Archive der ehemaligen Hofbehörden. Im Referat Hofarchive hat W. erstmalig Auf­stellungsverzeichnisse über die neuen Zuwächse angelegt (AB. 304 b/1) und die ganzen Bestände in einem ausführlichen Zettelkatalog (AB. 480 a/1—4) erschlossen. W. ist auch die Ordnung und Verzeichnung des in den letzten Jahren vom Bundeskanzleramte übernommenen Zeitungsarchivs zu danken (AB. 177 a). Ferner die Ordnung und Verzeichnung der Nachlässe Kallay (AB., 189 a) und Plener (AB. 39/15) sowie des österr. Estensischen Archivs (AB. 292 a). Endlich ein Aufstellungsverzeichnis zu den Hofakten des Min. d. Inn. (AB. 480 b), Nachträge zum Repertorium über das Archiv Kaiser Max’ von Mexiko (AB. 302). W. war in den letzten Jahren auch Verwalter der Bibliothek des StA. (vgl. AB. 451 a/7, 543 a/7 und 543 a/8). Zu dieser ihn wenig befriedigenden, zum Teil in Kleinarbeit aufgehenden Amtstätig­keit stand seine lebhafte Betätigung im inneren und äußeren politischen Leben des österreichischen Heimatlandes in stärkstem Gegensatz. W. war ein ebenso feuriger wie ernst zu nehmender Herold des großdeutschen Ge­dankens. In Wort und Schrift, in formvollendeten Reden und stilgewandten und gründlichen Aufsätzen vermochte er für diese Überzeugung einzutreten. Durch mehrere Monate war er Schriftleiter, dann auch weiterhin außen­politischer Referent der „Wiener Neuesten Nachrichten“. Im Freundeskreis schloß er uneigennützig und stets dankbar für sonnige Wanderkamerad­schaft voll und ganz sein vielseitiges Wissen, seine Liebe zur Natur, zu allem Schönen und Ästhetischen auf und konnte sich dabei sogar manch­mal mit dem widrigen Geschick seines Lebens versöhnen, das ihn an einen allerdings selbstgewählten Beruf kettete, der ihn innerlich so wenig aus­füllte. Sein Heimgang (21. Februar 1931) riß eine große Lücke im Kreise seiner Kollegen. Dies kommt in den Nachrufen von L. Groß (M. Ö. I. G. 45, S. 277) und J. K. Mayr (Archiv. Zeitschr. 40, S. 297) zu innigem Ausdruck. Schriftenverzeichnis: Der österreichische Staatsgedanke im Zeitalter Franz Josefs (M. Ö. I. G., Erg.-Bd. 11). In Wolkans Nachlaß fand sich keine fertige Arbeit, wohl aber mehr oder minder umfangreiches, zum Teil verarbeitetes Material zu den Themen: Paneuropa, Anschluß und Völ­kerbund, Österr.-ungar. Außenpolitik und „Kriegsschuld“, Wirtschaftliche Entwicklung der Nachfolgestaaten, Ständeparlament, Die Deutsche Frage und Österreich (saec. XIX), Kaunitz’ Innenpolitik. Zenegg Emmerich (von und zu Scharffenstein), geb. am 26. April 1880 zu Arnoldstein (Kärnten), trat nach Absolvierung des Untergymnasiums als Diurnist beim Katastralmappenarchiv in Klagenfurt ein (1897) und von

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