J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)
II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien
letzten Liebesdienst des sterbenden Papstes Pius VIL, wie ihm bedeutet wurde33). Der Vertrag faßte den unmittelbaren Korrespondenzverkehr zwischen Österreich und dem Kirchenstaate in Bologna und Ferrara zusammen und gab den Bologneser Transit wieder frei. Um so sorgfältiger aber hat es Consalvi vermieden, sich bezüglich der Zustellungswege der übrigen römischen Auslandkorrespondenzen auf bestimmte Zusagen einzulassen, insbesondere nicht bezüglich der mittel- und nordfranzösischen. Doch war ihrer immerhin auf eine so wenig bestimmte Art Erwähnung getan, daß dies Lilien in Paris mit um so größerem Nutzen geltend zu machen hoffte, als er sie mit erheblichen finanziellen Vorteilen bedacht hatte. Ähnlich lagen die Dinge bezüglich des Briefwechsels zwischen Neapel und Frankreich. Aber trotz dieser Lücken, die just jene Punkte betrafen, an denen die beiderseitigen Interessen am härtesten aufeinanderstießen, hatte doch Lilien mit Massimos Einverständnis seine Wünsche so einzukleiden verstanden, daß sie sich mit den Grundsätzen der päpstlichen Regierung notdürftig vertrugen. Nun war doch Mantua der Scheitelpunkt der neuen, über Bologna und Fano gelegten Nordsüdlinie, von dem aus die römischen Korrespondenzen über Hüningen nach Mittel- und Nordfrankreich befördert werden konnten. Auch der wiedererschlossene Bologneser Transit ist nicht näher erörtert worden. Praktisch hat man ihn doch so einzurichten verstanden, daß den toskanisch-österreichischen Postkurieren für Bologna nur noch eine Stunde Aufenthalt übrig blieb. Und als sie das Bologneser Postamt dennoch wieder mehrere Stunden lang aufhielt und die Ablieferung ihrer Korrespondenzpakete forderte, da suchte man diesem „Skandal“ durch die Anbringung von Amtssiegeln vorzubeugen. Schon zog die österreichische Hofkammer die Verwendung von Postsäcken und Sicherheitsschlössern in Betracht34). Ebenso rasch und unvermittelt, wie er unterbrochen worden war, ist der Bologneser Transit anfangs Jänner 1824 — unmittelbar nach der Unterzeichnung des toskanisch-römischen Postvertrages, der auch die alte Postverbindung zwischen Rom und Florenz wieder herstellte — neuerdings aufgenommen worden. Und als Modena diese brüske, noch nach vielen Jahren unvergessene Beiseiteschiebung seiner eben erst eingerichteten Pistojer Route mit einer vorzeitigen Einziehung der Relaisstationen beantwortete, da gab es darüber neue Verdrießlichkeiten. Aber selbst die — bei entsprechender Textkritik — geringfügigen Bindungen ihres österreichischen Postvertrages hat die Kurie nur widerwillig hingenommen. Schon im November 1823 hat sie sich neuerdings um den toskanischen Posttransit bemüht und noch im Mai 1824 mußte Metternich in Florenz darauf dringen, daß die römischen Transitpakete wenn schon nicht zurückgewiesen,, so doch eröffnet und nach den Bestimmungen des österreichischen Postvertrages behandelt würden. Neue Versuche in dieser Richtung hat die Kurie 1829 und 1830 in Florenz und Modena unternommen. Das Verlangen nach geschlossenen Posttransitpaketen hat Massimo auch gegenüber dem österreichischen Botschafter erhoben, doch wurde es — wie meist in solchen Fällen — mit dem Hinweise auf die Vertrauenswürdigkeit der öster- * **) 33) Bericht Liliens 23 VIII 20 Rom (adm.) 17. **) Note von Hofkammer 23 IX 30 Notenwechsel 57; Bericht aus Florenz 24 I 15 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 6' 83