J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)
II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien
französischen Korrespondenzen — die römischen und neapolitanischen inbegriffen — den österreichischen Posten zu übermitteln und die Postroute Florenz—Mantua auf die Frequenz der Hüninger Linie zu bringen. Das waren nun freilich so weitgehende Forderungen, daß Fossombroni darüber — zumal angesichts der weitausladenden Hüninger Linie und des Transitverbotes für alle geschlossenen fremden Postpakete — in nicht geringe Verlegenheit geriet. Was blieb ihm aber in den Tagen zwischen Laibach und Verona anderes übrig, als sich den österreichischen Postinteressen anzubequemen. Nur für Livorno erhielt er aus handelspolitischen Gründen den direkten Postverkehr mit Mittel- und Nordfrankreich zugestanden. Der Postvertrag, den Bombelles am 4. September 1822 abschloß10), verpflichtete ferner Toskana, seine nord- und mittelfranzösische Gegenpost in Paris für Österreich anzufordern. Nur die südfranzösische Korrespondenz wollte Österreich an Sardinien fallen lassen, soferne es nämlich bei deren Beförderung nicht mit diesem konkurrieren konnte. Sogar für Livorno wurden ähnliche Bedingungen vereinbart. Es war geplant gewesen, den Postvertrag mit Toskana abzuschließen, ehe Sardinien davon Kenntnis erhalten hätte. Allein schon im Juni drängte dieses auf die Erneuerung seines toskanischen Postvertrages, und kaum war Peter in Florenz eingetroffen, als auch schon Cerruti, von der revolutionären Partei heimlich herbeigerufen, in Toskana erschien und im Vertrauen auf diese durch sein brüskes Auftreten und durch sein Verlangen nach unveränderter Erneuerung des sardinischen Postvertrages Fossombroni wieder wankend machte11). Dennodi ist es Cerruti diesmal nicht gelungen, Österreich zuvorzukommen, obwohl ihn der französische Gesandte tatkräftig unterstützte12). Toskana mußte dem österreichischen Postvertrag den Vorzug geben. Cerruti war nicht wenig überrascht, als er von dem Abschlüsse des österreichischtoskanischen Postvertrages Kunde erhielt. Erst zwei Monate später — am 9. November 1822 — wurde der sardinisch-toskanische unterzeichnet, in dem sich Cerruti den Voraussetzungen des österreichischen fügen mußte. Viel schwieriger aber als der Abschluß des österreichisch-toskanischen Postvertrages gestaltete sich dessen Durchführung. Sardinien verweigerte dem von Cerruti abgeschlossenen Postvertrage die Ratifikation und drohte mit der Einstellung des toskanisch-französischen Postverkehrs13). Wohl antwortete Metternich mit diplomatischen Schritten in Turin, versäumte aber zugleich nicht, seine Wünsche bezüglich des toskanisch-sardinischen Postvertrages in Florenz nachträglich anzumelden: daß sich darin Toskana bezüglich seines Korrespondenzverkehres mit Frankreich zu nichts verpflichte, daß es seinen Postwechsel mit Sardinien an der Grenze vollziehe u. a. m. Was aber Fossombroni mehr als dies alles beunruhigte, das war der Widerstand der Kurie. Schon zitterte er vor dem Donnerkeil des Vatikans. Denn Consalvi erklärte nach kurzem Schwanken, daß er von den römisch-französischen Transitpaketen nidit abgehen werde14). Das war für Metternich „eine neue Gattung servitus juris publici“, gegen die er in Rom protestieren ließ, ohne 10) Urkunden (Bittner n. 2191). “) Berichte aus Florenz 22 VII 30, VIII 12, 14 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 12) Bericht aus Florenz 22 IX 5 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 13) Bericht 22 VIII 12 (Anm. 11). 14) Bericht aus Florenz 22 XII 31 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 79