J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

laufes ihres Postkurses ab. Im Einverständnisse mit Sardinien wurde — den österreichischen, auf Frankreich gerichteten Wünschen entsprechend — Genf als dessen Endpunkt bestimmt. Zugleich gab Sardinien den Fischern den Post­weg längs des Südufers des Genfer Sees frei und überhob sie dadurch der von den Waadtern bedrängten nördlichen Route10). Trotz aller Flindernisse aber, mit denen Sardinien den Simplontransit der Fischer bedacht hatte, haben ihn die österreichischen Kommissäre dennoch dem Postvertrage zugrunde gelegt, den sie im August 1817 mit Frankreich abschlossen (S. 63 f.). Darnach hatten die Korrespondenzen von Lombardo- Venezien, Parma, Modena, den Legationen und Marken nach Südfrankreich über Mailand, den Simplon, Genf und Ferney, nach Nordfrankreich über Mailand, den St. Gotthard, Zürich, Basel und Hüningen und umgekehrt zu laufen. Der Ostweststrang verband Bregenz, Basel und Hüningen, ein zweiter nördlich davon Eger, Frankfurt und Forbach. Damit war der erste und — wie man in Wien glaubte — entscheidende Schritt auf dem italieni­schen Postkriegsschauplatze getan. Schon waren Parma und Modena — und in ihrem Gefolge, wenngleich ungefragt, auch die Legationen und Marken — für diese so außerordentlich vorteilhafte Postlinie gewonnen und auch Tos­kana, Rom und Neapel würden sich ihr — so hoffte man — auf die Dauer nicht entziehen können. Nun dauerten aber die Schwierigkeiten, in die die Fischer mit ihrem Simplontransit schon 1816 geraten waren und die 1817 sogar das Einschreiten Liliens erforderlich gemacht hatten, unvermindert fort. Und je näher unter­dessen der i. Jänner 1818 — der Tag, an dem der französisch-österreichische Postvertrag in Kraft treten sollte — herankam, um so energischer suchte Schraut, der österreichische Gesandte in der Schweiz, auf die von „Kantonal­geist und Handwerksneid“ erfüllten Postverwaltungen einzuwirken11). Aber trotz aller Drohungen, das Wallis über den St. Gotthard, über Luzern und Bern zu umgehen, stand die Sache noch im Dezember 1817 auf demselben Punkte: Österreich berief sich auf die Fischer, diese beriefen sich auf Öster­reich, aber beide gingen die Walliser Postpächter nichts an12). Im Frühjahr 1818 wurde Sardagna in aller Stille nach dem Wallis entsendet, aber wieder ohne Erfolg. Indessen war der Wirksamkeitsbeginn des österreichisch-franzö­sischen Postvertrages unter mannigfaltigen Ausflüchten — bald war die Arl­bergstraße noch unvollendet, bald die Generalpostdirektion noch nicht ein­gerichtet — vom X. Jänner 1818 über den 1. April und den 1. Juli auf den i. Jänner 1819 verschoben worden13). Während dieser Frist hatte aber Sardinien im Anschlüsse an seine Post­verträge von 1817 im Juni 1818-seinen tüchtigsten Fachmann, den Genueser Postdirektor Cerruti, der dort noch unter Napoleon gedient hatte, nach Wien entsendet14), damit die Initiative an sich gerissen und Lilien in die Verteidi­gung gedrängt. Eilends ließ dieser nun durch den Mailänder Logisten Venti­miglia nähere Nachrichten über Sardiniens Korrespondenzverkehr einholen. 18 10) Bericht aus Bern 16 XI 28 Schweiz, Nachträge. u) Bericht aus Bern 17 XI 23 Schweiz, Nachträge. 12) Bericht aus Bern 18 I 1 Schweiz, Nachträge. 13) Weisungen nach Bern 17 XII 6, 18 III 9 Schweiz, Nachträge; Weisung nach Paris X 8 Friedensakten 158. M) Empfehlungsschreiben für Cerruti 18 VI 10 Sardinien, adm. Reg. 3. 70

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