J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - B. Der Postkrieg gegen Bayern

reichischen Forderung fügen und im Jänner 1817 den Weg durch das Vogt­land freigeben, der zuerst über Hirschberg nach Lobenstein, bald darauf aber über Ölsnitz nach Schleiz geführt wurde. Zwei Jahre später griff Österreich wieder auf die kürzere Verbindungslinie über Hof zurück. Von Reuß breiteten sich die Thurn und Taxisschen Postkurse fächer­förmig nach Westen, Nordwesten und Norden aus. Ein Poststrang führte jen­seits der Nordgrenze Bayerns über Eisenach nach Frankfurt und Mainz, ein zweiter quer durch Hannover nach Bremen, ein dritter auf demselben Wege nach Hamburg und Lübeck. Auf dieser Grundlage Unterzeichnete Lilien im Mai 1817 den ersten Postvertrag mit Thurn und Taxis, der der Monarchie den Postverkehr in geschlossenen Paketen mit Mittel- und Norddeutschland und darüber hinaus eröffnete. So unvollkommen waren die Österreich im Norden vorgelagerten Post­bereiche — der Thurn und Taxissche, der sächsische und der preußische — voneinander abgegrenzt und so sehr deren Postverwaltungen von gegen­seitiger Eifersucht erfüllt, daß jeder Postvertrag, den Österreich mit einer derselben abschloß, von den beiden anderen als Beeinträchtigung empfunden wurde. So von Sachsen, das das nordöstliche Deutschland als Postgebiet für sich beanspruchte und sich von Österreich zugunsten der Fürsten von Thurn und Taxis zurückgesetzt glaubte. Umgekehrt zog Sachsen, das seine italienische Korrespondenz statt über Prag über Augsburg leitete, Österreich in Mitleidenschaft. Am Ende mußte Sachsen nachgeben, den italienischen Post­transit nach Böhmen zurückverlegen und am 9. August 1818 den ersten Post­vertrag mit Österreich abschließen26), der es für den Verlust der österreichi­schen Postverbindungen mit den Hansestädten mit der Überweisung des Post­verkehrs zwischen Österreich und Schwarzburg-Sondershausen, Anhalt, Braun­schweig, Mecklenburg und Hannover entschädigte und ihm auch den öster­reichischen Postverkehr mit Preußisch-Sachsen beließ. Im zweiten Postvertrag vom 12. Mai 182927) war diese Postverbindung nicht mehr enthalten. Preußen hatte sie inzwischen an sich genommen und bahnte sich nun selbst einen neuen Postweg nach Österreich 28). Gleich Sachsen ist auch Preußen durch den Thurn und Taxissdh-öster- reichischen Postvertrag zur Klärung seiner Postverhältnisse mit Österreich ver­anlaßt worden. Von den über Bielitz und Krakau laufenden Postverbindun­gen mit dem Nordosten der Monarchie, den Donaufürstentümern und Süd­rußland abgesehen, gab es damals zwischen Preußen und Österreich lediglich den Postkurs Glatz—Prag. Seit der Einverleibung der sächsischen Landesteile aber zog ihm Preußen die Postverbindung über Görlitz und Friedland vor und wollte zugleich den Postverkehr derselben von Sachsen loslösen29). Zu­nächst scheiterten jedoch die preußisch-österreichischen Postverhandlungen an der Absicht Liliens, den Postverkehr zwischen Preußen und Südwestdeutsch­land über Österreich zu leiten. Damit traf er nämlich Preußen, das seiner­seits mit nicht geringerem Eifer an der Gewinnung des gesamten Korrespon­denzverkehrs zwischen Frankreich, Polen und Rußland arbeitete, an einer so 26) L. Neumann 1. c. 3, 343. 27) Verträge betr. Akten 9 (Bittner n. 2300). OT) Archiv f. Post u. Telegr. 1900 S. 143 ff. so) Note von Preußen 17 VI 20 Preußen, adm. Reg. Postwesen. 57

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