J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

Schlußwort

andrien unterhielten, bedurfte der verworrenen und störenden Projekte Wag­horns nicht. Wichtiger auch, als den Postverkehr zwischen England und Ost­indien zu gewinnen, war es, die kommerzielle Bewegung aus China und Indien über Österreich und Deutschland nach England zu leiten. Beide konn­ten in kürzester Frist über Triest, Wien und Ostende oder Hamburg ihren Weg nehmen39). Dem hat sich Waghorn bei seinem zweiten Wiener Aufenthalte im März 1847 nicht verschließen können und so hat er nun mit der ihm eigenen „Hast und Eile“ die Brennerlinie fallen gelassen und alle Hoffnungen auf die österreichische Nord-Süd-Linie und deren Verlängerungen nach Ostende und Hamburg gesetzt. Im Herbst 1847 wohnte er der feierlichen Eröffnung der letzten Teilstrecke Hannover—Köln bei. Und gleich ihm erwärmten sich nun auch Braunschweig, Hannover, Preußen und Sachsen für den englisch­ostindischen Posttransport. Unterdessen hatten im Herbst 1846 die sechs Probefahrten zwischen London und Alexandrien begonnen, von denen gleich die erste, von Waghorn und dem österreichischen Lloyd nach Kräften unterstützt, so trefflich gelang, daß sie von Alexandrien bis London nur 230 Stunden erforderte, um 25 weniger als Waghorns erste Probereise und um 45 weniger als die schnellste Fahrt, die den Franzosen bisher geglückt war40). Schon war England nach Abschluß der Probefahrten geneigt, die Post von und nach Kalkutta erst noch zu Wagen durch Tirol und Bayern, dann aber per Bahn über Wien, Berlin und Ostende zu leiten, als die März­revolution des Jahres 1848 alle diese Pläne zunichte machte41) und mit dem Staatskanzler Fürsten Metternich auch sein Postsystem für immer begrub. Das Gewirre der Auslandpostkurse, das nun in allen seinen Verzwei­gungen aufgerollt ist, bedarf auf dem italienischen Sektor noch eines flüchti­gen Überblickes. Hier lagen die Kernpunkte der Postpolitik des Fürsten Metternich und hier haben «ich die Auslandpostkurse am dichtesten verknotet. Und eine besondere Rolle haben dabei auf der einen Seite der Simplonpaß, das heiß umstrittene Verbindungsglied zwischen Italien und den West­mächten, und auf der anderen Seite das Herzogtum Parma, die Postbarriere zwischen Frankreich und Transpadanien, gespielt. Zwischen beiden lag im Wettbewerb mit Sardinien die Hüninger Postroute, der Ableitungsweg der an jener Postbarriere gestauten Auslandkorrespondenzen. Der Gegensatz zwischen Frankreich und Sardinien auf der einen und Österreich auf der anderen Seite hat das italienische Postnetz jahrzehntelang bestimmt. Bis 1822 beherrschte Sardinien den italienischen Postverkehr der Westmächte selbst für den engeren österreichischen Machtbereich fast aus­schließlich und Österreich blieb nur die Briefkontrolle übrig, die in Mantua (später in Verona), in Mailand und — mit unzureichenden Ergebnissen — in Florenz zusammengefaßt war. Von 1822 an mußte sich jedoch Sardinien mit Österreich in den fremditalienischen Auslandbriefverkehr teilen, den der Kaiserstaat über Hüningen nach Mittel- und Nordfrankreich — allerdings nur in dieser einen Richtung — vermittelte. In der Gegenrichtung lag er in 39) Kübeck an Hummelauer 47 III 21 Notenwechsel 100. 4B) Note von Hofkammer 46 X 4 Notenwechsel 99. 41) O. V e r e d a r i u s 1. c. 36t ff. 124

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