J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - E. Der deutsche Postverein

Längst wußte es ja, welch günstiger Aufnahme sich der österreichische Post­vereinsplan in der deutschen Öffentlichkeit zu erfreuen hatte — einen Riesenschritt nannte man ihn in Frankfurt, wichtiger als der Zollverein10) —, und so suchte es bald zu opponieren, bald ihn als seine Erfindung hinzustellen. Bis es sich endlich doch im Berliner Postvertrage vom 3. Jänner 1844 den österreichischen Anträgen gefügt hat, wodurch sich das Postvereinsgebiet mehr als verdoppelte11). Noch waren aber bisher erst einseitig österreichische Postverträge ab­geschlossen worden, die weder einen Postverein darstellten noch auch in den Portosätzen ganz gleichförmig waren. Ihn gemeinsam mit Österreich ins Werk zu setzen, hat sich Nagler schon im Jänner 1844 spontan erboten. Und wenn sich auch die Plofkammer die Durchführung ihrer Idee nicht durch Preußen entwinden lassen wollte, so fügte sie sich doch den versöhnlichen Ratschlägen Metternichs, zumal nun die öffentliche Meinung in Deutschland unter dem Eindrücke der Züricher Postkonferenz lauter denn je darnadi verlangte12). Zwei Jahre wartete die Hofkammer vergeblich auf die Vor­schläge Preußens. Dann aber griff sie, da der deutsche Postverein inzwischen ein Gebot der Notwendigkeit geworden war, ihren alten Gedanken neuer­dings auf und schickte Nell im Sommer 1846 insgeheim nach München, Karls­ruhe und Frankfurt, um ein „abgerundetes postalisches Contiguum“ zu er­zielen. Nun drängte sich aber trotz aller Vorsicht Preußen neuerdings ein, da es die Initiative für sich retten oder sie doch wenigstens mit Österreich teilen wollte, und verständigte sich mit Österreich in dem Sinne, daß beide Mächte zunächst ein gemeinsames Programm entwerfen, dann aber Preußen den Norden, Österreich den Süden zu einer allgemeinen deutschen Postkonfe­renz nach Berlin einladen sollte13). Notgedrungen stimmte Metternich diesen Vorschlägen Schapers, des Nachfolgers Naglers, zu; wichtiger als „ein bloßer Ehrenpunkt“ schien ihm doch die möglichste Einigkeit in Deutschland zu sein14). Als Tagungsort wurde nach vielen Streitigkeiten — zumal mit Bayern, das mit kleinlicher Empfindlichkeit für München kämpfte — Dresden bestimmt, und getragen von der günstigen öffentlichen Meinung ließen Österreich und Preußen im Frühjahr 1847 gemeinsam — nicht getrennt, wie es ursprünglich beabsichtigt gewesen war — Einladung und Programm zu den Dresdener Konfe­renzen hinausgehen, auf denen Portogemeinschaft und Transitgebühren- und Instradierungsfreiheit als Hauptpunkte zur Beratung standen. Am 18. Oktober 1847 eröffnete sie Nell und vertagte sie nach fast viermonatiger erfolgreicher Arbeit am 3. Februar 184815). Wohl hatte Metternich im äußersten Fall den Plan eines süddeutschen Sonderpostvereines erwogen, doch aber Österreich zugleich nicht geringe finanzielle Opfer zugemutet, wenn nur das nationale Unternehmen gelang, dessen Anregung und Förderung ihm von ganz Deutschland verdankt werden mußte16). 10) Bericht aus Frankfurt 42 XII 24 Frankfurt 78. “) Urkunden (Bittner n. 2642); Note von Hofkammer 44 I 21 Notenwechsel 07; H. S t e p h a n 1. c. 531 ff. 12) Note von Hofkammer 44 X 16 Notenwechsel 97. 13) Note von Hofkammer 46 X 1 Notenwechsel 99. 14) Note an Hofkammer 46 X 16 Notenwechsel 52. 15) Gedruckte Protokolle in Notenwechsel ad Hofkammer 143 b. le) Vortrag 47 XII 28 Vorträge 448. ii 6

Next

/
Thumbnails
Contents