J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - E. Der deutsche Postverein

nach einer Polen durchquerenden Postverbindung mit Rußland entgegen. Auch der Zar ging bereitwillig darauf ein und so konnte die Postlinie Wien— Krakau—Warschau—St. Petersburg sogleich in Betrieb gesetzt werden. Zwi­schen Warschau und St. Petersburg lief damals zweimal wöchentlich eine Extrapost, eine dritte war geplant. Auch unterhielt der Warschauer Bankier Steinkeller eine private Messagerie nach St. Petersburg. Bald darauf hat Rußland den Gedanken eines Postvertrages mit Öster­reich aufgegriffen. Sogleich entsandte die Hofkammer den Postrat Löwenthal als Unterhändler nach St. Petersburg, der dort im Vereine mit dem öster­reichischen Geschäftsträger Baron Meysenbug die Verhandlungen geführt und mit ihm am n. Februar 1843 den Postvertrag14) unterzeichnet hat. Alle Briefe nach Österreich, Italien und Griechenland sowie nach den österreichi­schen Nachbarstaaten — diese allerdings nur unter der Voraussetzung ent­sprechend rascher und billiger Postkurse — hatte nun Rußland in geschlosse­nen Paketen und in Ledersäcken an Österreich auszuliefern. Die polnische Transitlinie gabelte sich nach Brest und Moskau sowie nach Kowno und St. Petersburg, während die östlichen Linien teils über Brody und Radsiwilow, teils über Czernowitz und Nowosielica liefen. Wenige Monate nach dem österreichischen Postvertrage hat Rußland auch mit Preußen neue Vereinbarungen getroffen, die den Wert der Öster­reich gewährten Zugeständnisse beeinträchtigten15 * *). Auch in Krakau stieß Österreich wenige Jahre später anläßlich der Einverleibung des Freistaates auf den Widerstand Preußens. Erst durch wiederholte Vorstellungen konnte es im Sommer 1847 zur Auflösung seines Krakauer Postamtes bewogen wer­den, das den Österreichern als Ein- und Ausfuhrstelle revolutionärer Schriften und bedenklicher Personen ein Dorn im Auge war18). Längst war indessen das polnische Postamt über die Grenze zurückgenommen und das österreichi­sche Postinspektorat von Podgorze nach Krakau verlegt und mit dem dor­tigen Postamte vereinigt worden. Erst die Auflassung des preußischen Post­amtes hat den österreichisch-russischen Postverkehr der letzten Fesseln ent­ledigt. E. Der deutsche Postverein. Auch in Deutschland war Österreichs postpolitische Stellung durch das Verhältnis zu Preußen bestimmt. Schon 1832 hat es auf Veranlassung seines Generalpostmeisters Nagler, eines ebenso skrupellosen Logisten wie genialen Organisators, auf den Heidelberger Postkonferenzen mit Bayern, Baden und Thurn und Taxis seine Korrespondenzverbindungen mit Frank­reich, der Schweiz und Italien derart umzuleiten versucht, daß sie das ganz im österreichischen Interesse stehende Thurn und Taxissche Postgebiet nicht mehr berührten1). Die Haltung, die Österreich damals Preußen gegenüber eingenommen hat, war zwiespältig. Auf der einen Seite sah es Preußen be­züglich der Postverbindungen ein Netz über Deutschland ziehen wie hin­sichtlich der Zollverhältnisse, auf der anderen Seite aber schienen ihm doch Naglers Verdienste um die vortreffliche, in ganz Europa anerkannte Ein­14) F. M a r t e n s, Rec. de traités de Russie 4, 503. 15) Bericht aus St. Petersburg 43 VI 29 Rußland 14. le) Note von Polizei 47 I 21 Krakau 31. *) Bericht aus München 32 XI 29 Bayern 167.

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