J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

rung empfunden und als ein Zeichen gefährlichen Ausdehnungsdranges auf­gefaßt. Sie ließ deren Abstellung verlangen und hat sich vorübergehend sogar selbst mit Postprojekten getragen. Seiner türkischen Hauptpostlinie ist Öster­reich gleichwohl nicht verlustig gegangen, die Zweiglinien aber, die es eben von Nauplia über Lamia, Saloniki, Seres, Sofia und Belgrad nach Sémiin auszubauen suchte, hat es sogleich wieder aufgeben müssen. c) Reform der toskanischen Postlogen. Empfindlicher als durch alle sonstigen Anstalten, die Frankreich längs der Westküste Italiens und darüber hinaus im Interesse seiner Seepostlinien getroffen hat, ist Österreich durch das Abkommen berührt worden, das Toskana im November 1837 über die Zulassung und Privilegierung der­selben mit Frankreich abgeschlossen hat. Man hat es geradezu als das Testament Cassinis, des toskanischen Generalsekretärs des Äußeren, bezeichnet. So sehr hatte es dieser in französischem Solde teils positiv, teils negativ (durch Zurückhaltung der das Treiben der frankophilen Partei beleuchtenden Inter- zepte) gefördert3i). Zwar entbehrte dieses Abkommen jeder betont feierlichen Form, war auch zunächst nur auf ein Jahr abgeschlossen. Indem es aber den französischen Postdampfern die Sonderstellung von Kriegsschiffen verlieh, Frankreich einen Postagenten für Livorno zugestand und ihm den Postverkehr mit der Levante, ja selbst mit der Schweiz, mit Deutschland, den nordischen Ländern und mit Rußland anvertraute34 35), verstieß es trotz aller stilistischen Verklausulierungen doch so sehr gegen die Bestimmungen des toskanisch-öster­reichischen Postvertrages von 1822, daß man mit Recht von einer französi­schen Postdiktatur sprechen konnte. Das verriet ja auch das Geheimnis, mit dem man dieses Abkommen in Florenz umgab, bis es der Pariser „Moniteur“ — kurz bevor der französisch-toskanische Postdampferverkehr einsetzte — entschlossen lüftete. Zwar hatte sich Toskana das Recht Vorbehalten, den Briefverkehr mit den französischen Postdampfern lediglich durch seine eigenen Postämter zu vermitteln. Schon hißte aber der französische Postagent in Livorno ostentativ sein Wappenschild und begann sich in den Postverkehr zwischen Dampfer und Postamt einzudrängen. Und konnten nicht auch die französischen Seeoffiziere die Post ihrem Konsul unmittelbar überbringen?36) An eine völlige Rückgängigmachung dieses Abkommens hat man aber am Wiener Hofe nicht mehr zu denken gewagt. Turneretscher, der es begut­achtete37), wollte Toskana den Korrespondenzverkehr mit Frankreich und England, Griechenland und Ägypten freigeben, den mit der Schweiz, mit Deutschland, den nordischen Ländern und Rußland aber ihm nach wie vor streitig machen, während er die Wahl der Postroute nach der Türkei dem Belieben der Korrespondenten anheimstellen wollte, wobei der Landweg dem Seewege nach Möglichkeit vorzuziehen war. In diesem Sinne ist — nicht ohne drohende Hinweise auf den üblen Eindruck der rücksichtslosen Haltung des toskanischen Ministeriums — der österreichische Gesandte in Florenz instruiert38) und der Großherzog von Metternich im September 1838 gelegent­34) Berichte aus Florenz 38 II 6, VI 12, VII 19 Toskana 43. 35) Berichte aus Florenz 38 VII 19, VIII 9 Toskana 43, 63. 36) Berichte aus Florenz 38 VIII 7, IX 4 Toskana 43. 37) Bemerkungen Turneretschers 38 VIII 25 Notenwechsel ad Hofkammer 143 b. 38) Weisung nach Florenz 38 IX 13 Toskana 43. 102

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