J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)
II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien
durch die römischen Postämter verzichtet. Dennoch hat sich alsbald ein französischer Hafen- und Postagent in Civitavecchia eingenistet, zumal die gesamte Post der Congregatio de propaganda fide unentgeltlich befördert wurde13). Als aber Österreich 1838 den Seepostverkehr der Kurie durch seine Lloyddampfer besorgen lassen wollte, da hat sich diese sogleich zum Abschlüsse des von Frankreich neuerdings verlangten Postvertrages entschlossen14). Sie folgte damit dem Beispiele, das ihr soeben Toskana gegeben hatte und dem sich selbst das kleine Lucca nicht versagte. Ablehnender als Rom und Toskana haben sich gegenüber den französischen Werbungen Sardinien und Neapel verhalten. Bei Sardinien, das Fühlung mit dem englischen Außenminister Lord Palmerston suchte, hat es Frankreich bei der höflichen, aber entschiedenen Weigerung Karl Alberts bewenden lassen15). Um so lebhafter aber war der Konflikt, der darüber mit Neapel entbrannt ist. Das hing nicht zuletzt auch damit zusammen, daß König Ferdinand II. den Dampfschiffen — woferne sie nur dem eigenen Lande angehörten — das größte Interesse entgegenbrachte und den Bau derselben so sehr förderte16), daß es Frankreich als lästige Konkurrenz, Lebzeltern aber als würdelosen Leichtsinn empfand17). Ferdinand II. lehnte die französischen Forderungen ab und dachte dabei zunächst an ein gemeinsames Vorgehen mit Rom, Toskana und Sardinien, die ja zum Teil gleichfalls eigene Dampfschiffe unterhielten. Kaum aber hatte Neapel seine Dampfschiffe zwischen Malta und Marseille in Dienst gestellt, als ihnen Frankreich diesen Hafen sperrte. Und als nun Ferdinand II. die französischen Dampfschiffe mit ähnlichen Maßregeln heimsuchte, da entwickelte sich daraus eine so ernste Spannung, daß es sogar zu einer französischen Flottendemonstration und zur Abberufung der Gesandten gekommen ist18). Noch im August 1838 liefen die französischen Dampfer Neapel nicht an. Zwei Jahre später hat Frankreich einen neuen, durch allerlei verlockende Zusicherungen unterstützten Versuch unternommen, der trotz aller Verzögerungen von Seiten Neapels doch schon im Juni 1840 zu einem vorläufigen Abkommen führte, das den französischen Dampfern die Sonderstellung von Kriegsschiffen einräumte und ihnen zugleich den Passagierverkehr — zunächst allerdings nur mit Neapel — zugestand19). Der Briefverkehr wurde den französischen Dampfschiffen nur in Ausnahmsfällen und nur über das neapolitanische Postamt anvertraut; damals schlug er noch zumeist den Landweg ein. Aber Frankreich ruhte nicht und trieb die Verhandlungen weiter, die schließlich über verschiedene Entwürfe und Gegenentwürfe, die Frankreich bezüglich der Zuerkennung eines zweiten Hafens, Neapel aber bezüglich der Wahrung seines Postregimes machte, im Jahre 1842 zu einem Postvertrage führten, den Neapel vor Österreich geheimzuhalten suchte. Nun durften die französischen Mittelmeerdampfer zwischen Marseille, Malta und Neapel auch Briefpakete befördern, einfache Briefe und Druckschriften allerdings nicht20). 13) Berichte aus Rom 36 X ij, 38 I 6 Rom 56, 60. 14) Berichte aus Rom 38 III 17, VIII 23 Rom 60. 15) Berichte aus Turin 37 X 10, 22 Sardinien 54. 16) E. M e 1 i 11 o, Le poste nel mezzogiorno d’Italia 251 ff. 17) Bericht aus Neapel 36 VI 10 Neapel 63. 18) Bericht aus Neapel 37 IX 24 Neapel 64; Bericht aus Florenz 37 X 3 Toskana 42. 19) Berichte aus Neapel 40 VI 11, VII 3 Neapel 67. 20) Bericht aus Neapel 42 V 20 Neapel 69. 99