J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

Modena zu benützen. Noch bedienten sie sich für ihre mittel- und nord­französischen Korrespondenzen des Auskunftsmittels, das ihnen Österreich an die Hand gegeben hatte (S. 91). Sie sandten die Briefschaften unabgestem- pelt nach Mailand, woselbst sie mit dem österreichischen Poststempel ver­sehen und mit den lombardo-venezianischen Korrespondenzen vermischt auf der Hüninger Postlinie nach Frankreich weitergeleitet wurden. Es ist Metter­nich nicht schwer gefallen, Parma und Modena für die Beibehaltung dieses Verfahrens zu gewinnen98 *). Ihr Korrespondenzverkehr nach Mittel- und Nordfrankreich war ja nur unbedeutend und ließ sich unschwer unter den lombardo-venezianischen Briefschaften verbergen. Schwieriger lagen die Dinge bei Toskana, dessen Briefverkehr nach Mittel- und Nordfrankreich, zumal er auch die römischen und neapolitanischen Korrespondenzen umfaßte, viel zu bedeutend war, als daß er sich auf die Dauer auf dieselbe Weise hätte bemänteln lassen. Daher forderte Metternich den Florentiner Hof auf, sich mit Frankreich unmittelbar in Verbindung zu setzen und einen direkten, mit i. Oktober 1831 beginnenden gegenseitigen Postverkehr — und zwar in geschlossenen Paketen — über Hüningen zu verlangen "). Wieder aber schützte nun Fossombroni Rücksichten gegenüber Frank­reich vor und weigerte sich, diesem den österreichischen Postweg aufzunötigen: mit demselben Souveränitätsrechte, mit dem Toskana den Weg seiner nach Mittel- und Nordfrankreich gehenden Korrespondenzen bestimmte, konnte doch auch Frankreich über die Gegenroute verfügen. In diesem Sinne unter­zog Fossombroni Liliens Pariser Verhandlungen einer herben Kritik und suchte seinen oppositionellen Standpunkt durch Fühlungnahme mit Rom und Neapel zu verstärken100). Nur mit diesen zugleich und nur auf einer Post­konferenz wollte er Metternichs Zumutungen in Paris vertreten. Es fiel dem Wiener Hofe nicht schwer, den Geist zu erkennen, der aus diesen Forderungen sprach. Er lehnte sie ab und erwiderte sie zugleich mit dem Vorschläge, Frankreich vom 1. Oktober 1831 an — ob es nun wolle oder nicht — die mittel- und nordfranzösische Korrespondenz in geschlossenen Paketen über Hüningen zuzuschicken101). Als letzten Ausweg ließ Metternich Fossombroni die Möglichkeit offen, diese Korrespondenz wie bisher den österreichischen Posten zuzustellen und sie dann von Mailand aus samt den lombardo-venezianischen, nach Süd­frankreich bestimmten Briefschaften über Turin weiterbefördern zu lassen102). So sehr entsprach dieser Ausweg, der, da er Sardinien berührte, Frankreich nicht unerwünscht sein konnte, Fossombronis Absichten, daß er ihn noch Ende September 1831 hat annehmen und bald darauf auch Sardinien und Frank­reich offiziell hat mitteilen lassen. Das war nun freilich um so weniger nach Metternichs Sinn, als er diesen Postweg nur für ein Provisorium — solange eben die toskanisch-französischen Postverhandlungen dauerten — ansah und überdies die Befürchtung hegte, daß Fossombronis unbedachter, durch das Umsichgreifen der Cholera nur ungenügend begründeter Schritt entweder mit 9S) Molza an Mett. 31 IV 27 Modena, adm. Reg. Postwesen; Richer an Mett. 31 IV 30 Parma, adm. Reg. Postwesen. ") Weisungen nach Florenz 31 IV 18, V 3 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 10°) Berichte aus Florenz 31 IV 26, V 3, 9, 14 Toskana adm. Reg. Postwesen. 101) Weisung nach Florenz 31 VII 29 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 10G) Weisung nach Florenz 31 IX 16 Toskana, adm. Reg. Postwesen.

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