Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 9. Registratoren der deutschen Expedition

England heranzog 28). 1636 suchte er um Aufnahme in die Reichskanzlei an und erhielt, wahrscheinlich durch Protektion Walderodes, 1637 eine lateinische Kanzlistenstelle 29). Schon im Jahre 1639 erhielt er den ritter­mäßigen Adel. 1644 wurde er mit dem Titel eines Registratursadjunkten nach Prag gesandt, um die dort verbliebenen Teile der Reichsregistratur in Ordnung zu halten, von wo er 1649 zur Vertretung des kranken Dieterlin nach Wien zurückberufen wurde 30). Pipius hat dann neben seiner Tätig­keit als Registrator auch noch andere Funktionen versehen. So wurde er 1659 vom Erzkanzler, bei dem er beliebt gewesen zu sein scheint, mit der Untersuchung der Verfehlungen des Taxamtsverwalters Merz betraut31). Schlecht stand er mit dem Reichsvizekanzler Walderdorff, der ihn 1662 beim Erzkanzler als Bekämpfer der Erzkanzlerrechte denunzierte und ihn großer Unordnung in der Registratur beschuldigte32). Pipius, der 1654 vom Kaiser das Palatinat und eine Adelsbestätigung erhalten hatte, starb am 3. Juli 1668 33). Sein Nachfolger war der schon seit 1654 als Registrant und seit 1664 als Adjunkt dienende Johann Eisenmann, der am 27. Juli 1668 instal­liert wurde34). Für ihn, den Sohn des Bamberger Hofgärtners Konrad Eisenmann aus Geyerswerth, hatte der Bischof von Bamberg interveniert 35). Er war auch Taxamtsgegenschreiber. Nach seinem Tode (1687 Januar 15) folgte Virgilius Andreas G ö p f e r t, der frühere Sekretär des Reichsvize­kanzlers Königsegg. Sowohl dieser wie auch der Kaiser hatten sich wieder­holt für Göpferts Ernennung zum lateinischen Konzipisten beim Erzkanzler eingesetzt, jedoch ohne Erfolg 36). Er wurde lediglich 1680 zum Kanzlisten ernannt 37). Nun wurde er am 14. März 1687 als Registrator beeidet. Als Göpfert am 14. März 1698 starb, ersetzte man ihn durch Friedrich Johann W e n i n g, der am 15. Mai dieses Jahres installiert wurde. Dieser hatte als Amanuensis bei Högel und später bei Probst gedient und war 1684 wirklicher Kanzlist geworden. Er ist bemerkenswert, weil er als Gehilfe dieser Sekretäre auch konzeptive Arbeit, bereits seit 1680, geleistet hat38). Er erhielt von Leopold I. am ij. August 1687 den Adel39). Wening starb am 26. Februar 1725 40). 28) Über Pipius vgl. die Angaben i. seinem Adelsdiplom v. 1639 März 17 (Konz. Staatsarch. d. Innern samt Supplik), sowie sein Anstellungsgesuch de pr. 23. Apr. 1636 i. R. K. Verf. A. 41; vgl. ferner auch H e c k i n g, Gesch. d. Stadt u. Herrschft. St. Vith, 17z f. über die Familie Pipius. 29) R. Taxbudi 1638. 30) Mzer. R. K. 12 u. R. K. Verf. A. 41. 31) Vgl. Mzer. R. K. 23. 3ä) Mzer. R. K.21 a; 1662 Febr. 26. 33) Konz. Staatsarch. d. Inn. 1654 März 12, hier eine weitere Adelsbestätigung v. 1664 Mai 1; R. Taxbuch 1668. 34) R. K. Verf.A. 8 u. 41. 35) Mzer. R. K. 17: 1652 Dez. 20. 3e) Vgl. R. K. Verf. A. 45 a, Mzer. R. K. 25 *>: 1675 Aug. 18 u. 1679 Nov. 25, Mzer. Korr. 89: 1680 Febr. 2. 37) Eidbuch: 1680 Aug. 9. 3S) Vgl. sein undat. Gesuch a. d. Erzkzl. i. Mzer. R. K. 27 b, ferner R. K. Verf. A. 47, Konzepte seiner Hand v. 1680 i. Weisgen. nach Berlin 1 b, weitere i. Frankreh. 44. 39) R. Reg. Leop. I. Bd. 14, fol. 431. 40) Eidbuch. 459

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