Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)
VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition
gelegt und man beschuldigte ihn eigennützigen und eigenmächtigen Vorgehens. Glandorff vermochte diese Vorwürfe in den zwei ihm besonders zur Last gelegten Fällen zu widerlegen, doch ist kaum daran zu zweifeln, daß er gleich manchem anderen sehr „interessiert“ war. Aus Salzburg schrieb man in diesen Jahren dem Salzburger Reichstagsgesandten, daß Glandorff seit langem böse sei, weil er bei der Verleihung der Regalien an Salzburg nicht regaliert worden und weil er auch in seiner Hoffnung auf eine „Ergötzlichkeit“ für das Dehortationspatent in der Emigrantensache getäuscht worden sei 378). Der Kaiser, der ihn noch 1725 in den Freiherrnstand erhoben hatte 379), war ihm später wohl unter dem Einfluß Bartensteins und Kuefsteins auch nicht mehr günstig gesinnt. 1737 spricht Kuef- stein in einem Schreiben an den Erzkanzler von heimlich entdeckten „pflichtvergessenen Unternehmungen“ Glandorffs und von dem strikten Wunsch des Kaisers, Glandorff von der Teilnahme an den Konferenzen auszuschließen 38°). Er fordert im Auftrag des Kaisers die sofortige Bestellung eines Adjunkten für Glandorff, der fortan den Konferenzen beigezogen werden soll. Trotz dieser schroffen Stellungnahme des Hofes gegen Glandorff finden wir ihn aber einige Monate später wieder in der Konferenz 381), so daß man den Eindruck gewinnt, daß die Mißhelligkeiten wieder beigelegt wurden. Den Tod Karls VI. überlebte Glandorff nicht lange. Er starb am 10. Oktober 1741 382). Erst nach der Wahl Karls VII. wurde für Glandorff ein Nachfolger bestellt, indem der Erzkanzler am 30. Januar 1742 ein Ernennungsdekret für Heinrich Josef von Schneid ausfertigen ließ 383). Schneid kam aus der kurmainzischen Beamtenschaft. Er war Hof- und Revisionsrat des Kurfürsten und übte auch für das Mainzer Domkapitel Funktionen aus. Seine Karriere kennzeichnet ihn als Vertrauensmann des Erzkanzlers. Nachdem er am j. März 1742 zu Frankfurt installiert worden war 384), wurde er neben und nach Teuber die Hauptkraft der Kanzlei Karls VII. Unter dem Vizekanzler Königsfeld sehen wir ihn die eingelaufenen Aktenstücke präsentieren und auch einzelne Konzepte überprüfen. Er begleitete den Kaiser auch nach München und weilte dort beim Tode desselben. Als die Kanzlei 1745 reorganisiert wurde, drang man von Wien aus auf Schneids Entlassung. Man maß ihm die Schuld an der gehässigen Tonart der Aufrufe und Schreiben Karls VII. bei. Wiewohl Schneid jede Schuld in Abrede stellte und behauptete, vielmehr mildernd eingewirkt zu haben, auch darauf hinwies, daß Karl VII. alle Konzepte persönlich revidiert habe, beharrte man am Hofe auf seiner Ablehnung. Auch seine Berufung darauf, daß sein Bruder 30 Jahre als Hofkriegssekretär in Graz diente und auch andere Verwandte in österreichischen Kriegsdiensten standen, fruchtete nichts 383). Er mußte im September 1745 resignieren 384). 378) Schreiben an d. Reichstagsges. Zillersberg v. 25. Aug. 1732 i. Ldes. Reg.-Ardiiv Salzburg. (Gütige Mitteilung meines Kollegen Prof. J. K. Mayr.) 379) R. Reg. Karls VI. Bd. 20, fol. 36. 38°) Mzer. R. K. 36: 1737 Febr. 17. Uber die „pflichtvergessenen Unternehmungen“ vermochte ich nichts festzustellen. 381) Konfer. Prot. 82: Gl. nimmt Teil an der Konferenz v. 12. Apr. 1737. 382) R. Taxbuch. 383) Mzer. R. K. 36. 381) Eidbuch. 398