Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)
VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition
Zur Zeit Westernachers begegnet als österreichischer Extraordinari- Hofsekretär auch Johann W i r i c h zu Obereggendorf, der am 27. Juli 1592 mit einem Jahresgehalt von 288 fl. angestellt wurde. Wir können ihn bis 1598 verfolgen 247). Ober seine Tätigkeit konnten wir nicht viel feststellen. Den Unterschriften auf den Schreiben Mathias’ zufolge hat er 1593 und 1594 unter Unverzagt in der Wiener Kanzlei gearbeitet 248). Im Taxbuch von 1597 begegnet er mit dem Titel niederösterreichischer Extraordinari-Hofsekretär und dem Prädikat zu Obereggendorf. Derselben Quelle nach starb er im Oktober 1598. Als dritter der bei der Wiener Kanzleiabteilung amtierenden Sekretäre ist Georg S c h r ö 11 von Schrottenstein der Jüngere zu nennen. Er hatte zuerst bei der niederösterreichischen Regierung durch sieben Jahre als Sekretär gedient und war dann in die Dienste des Erzherzogs Mathias getreten 249). Im Reichstaxbuch des Jahres 1598 erscheint er zum ersten Male als niederösterreichischer Hofsekretär, doch wurde ihm seine Besoldung rückwirkend ab 1. Januar 1596 ausbezahlt. Tatsächlich treffen wir auch seine Unterschrift bereits seit 1596, so daß wohl dieses Jahr als das seines Dienstantrittes anzusehen ist 25°). Unter Unverzagt, später unter Khrenberg, war er die Hauptkonzeptskraft der Wiener Kanzleiabteilung. Von ihr ging er dann 1608 in die Kanzlei Mathias’ über. Hier war er bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1612 neben Grapler eine der wichtigsten Kräfte. Mathias verwendete ihn auch des öfteren zu diplomatischen Sendungen, so ging er im April und August 1610 nach Prag an den Kaiserhof, im folgenden Jahre wurde er zu Erzherzog Maximilian und zum Herzog von Bayern entsendet251 *). Bei der Vereinigung der beiden Kanzleien Ende 1612 schied Schrötl aus, er gehörte nicht zu den in die Reichskanzlei übernommenen Beamten. Neben Schrötl diente in der königlichen Kanzlei des Mathias als Sekretär Leopold Kauffman n. Er begegnet seit 1611 sowohl als Konzipient wie auch in den Sekretärsunterschriften 232). Er trat 1612 in die österreichische Abteilung der Reichskanzlei über und erscheint im Taxbuch des Jahres 1613 als österreichischer Hofsekretär. Er wurde jedoch schon am 30. September 1614 seines Dienstes entlassen und zum Salzamtmann in Wien ernannt 253). Nachfolger Kauffmanns wurde Hans Christoph Perkhaimer von Perckhoven, der mit kaiserlicher Resolution vom 9. Dezember 1615 zum österreichischen Hof Sekretär ernannt wurde 254), dem Taxbuch zufolge aber 247) Vgl. R. Taxbüdier. 248) österr. Akt. Niederöst. 8b: Konzept mit dem Vermerk „Hn. Wirich“ u. Ob. österr. 5. 249) Über Schrötl u. seine Familie vgl. auch die Nobilitation u. Wappenbesserung für die Brüder Schrötl v. 1610 Okt. 12 i. Saalbuch 16, fol. 353 v i. Staatsarchiv d. Innern; ferner das Schreiben Mathias’ an Rudolf II. v. 1601 April 10 i. R. K. Verf. A. 30. 28°) Vgl. oben. 251) Vgl. Mayr, Briefe u. Akt. 8, 66 u. 583 f., ferner Ch roust 9, 83. 252) Staatsarch. d. Innern I A 1 Kart. 2426: 1611 März 13 u. Apr. 26 (am 15. Juli 1927 verbrannt). 253) Vgl. R. Taxbuch 1614 u. Bericht d. Taxators v. 25. Febr. 1615 in R. K. Verf. A 48. 254) R. K. Verf. A. 34. 383