Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition

Später diente er dann bei der böhmischen Kammer. Als Kammerrat finden wir ihn 1626. Damals erhielt er den Reichshofratstitel mit der Begründung, daß er noch zur Zeit des Kaisers Mathias wirklicher Reichs­hofrat gewesen sei 224). Seit 1595 erscheint neben den anderen Sekretären in den Unter­schriften auch der Name des Konrad Diez von Weidenberg 225 *). Er kam aus dem Dienste des Erzherzogs Ferdinand von Tirol, bei dem er als Rat und geheimer Hofsekretär gedient hatte und von dem er auch wiederholt zu diplomatischen Missionen herangezogen worden war22e). Am Tiroler Hofe hatte sich Diez, auch unter dem latinisierten Namen Decius bekannt, auch durch seine historiographische Tätigkeit, besonders durch seine Herausgabe des Geschichtswerkes seines Freundes Gerard van Roo hervorgetan 227). Seine Heimat ist seinem Prädikat Weidenberg nach wohl in Oberfranken zu suchen, dem entspricht es auch, daß ein Vetter Konrads in Bayreuth ansässig war. Ob, wie Kneschke wegen Wappen­gleichheit annimmt 228), die Familie aus Schlesien bzw. Polen stammte, könnten nur eingehendere Forschungen erweisen. Am Prager Hofe war er mit der 1595 neu eingerichteten tirolischen Expedition betraut, die er außerhalb der Reichskanzlei in seiner Wohnung versah 228a). Er bear­beitete aber auch für die Reichskanzlei die tirolischen und vorländischen Sachen. Dementsprechend wird er auch als oberösterreichischer Hof­sekretär bezeichnet. Gleich nach seinem Eintritt in den Dienst des Kaisers finden wir ihn in den Akten, die der Verlassenschaft seines früheren Herrn gelten. In den Jahren 1595—1602 sind viele Konzepte in tiroli­schen und vorderösterreichischen Sachen von ihm entworfen worden 229). Im Jahre 1606 war er auch in niederösterreichischen Sachen tätig 23°). In der Liste der aus dem Taxamt besoldeten Beamten erscheint Diez erst 1601 und da wird ihm lediglich ein Zubußgeld von jährlich 200 fl., ab Mai 1595 berechnet, bewilligt. Vorher hatte er lediglich 1599 aus dem Taxamt eine Zahlung von 144 fl. erhalten. Sein Bezug aus dem Taxamt stieg auch in späteren Jahren, als er schon in der offiziellen Reihe der Sekretäre in den Taxbüchern erscheint, über diesen Betrag nicht hinaus231). Es erklärt sich dies daraus, daß er, wie wir wissen 232), sein Gehalt aus der oberösterreichischen Kammer bezog, somit im strengsten Sinne des Wortes kein Beamter der Reichskanzlei war, sondern als eine der Reichs­kanzlei vom Kaiser zugeteilte Kraft bezeichnet werden könnte. Am 3. Februar 1599 bestätigte ihm Rudolf II. den ihm von Erzherzog 224) R. H. R. Verf. A. 34. Hertel führt hier das Prädikat von Leuttersdorf. 225) Vgl. das Stück von 1595 Juni 10 i. Fam. Akt. 39. 22<1) Vgl. die Bestätigung seines Adels v. 1599 Febr. 3 i. Staatsarch. d. Inn. und Hirn, Ferdinand v. Tirol 2, 349 u. 387. 227) Vgl. hierüber Hirn, Ferdinand v. Tirol 1, 346 ff. 228) Kneschke, Adelslexikon 2, 496. 228 a) Vgl. den Bericht Puchers v. 8. März 1612 in Mainzer Wahl- u. Kröngs. A. 8 a, Bd 2 a, Nr. 90. 229) Vgl. Fam. Akt. 35 u. 39, Schweiz 22. 23°) Vgl. 1606 Sept. 12 u. 30 i. Nd. österr. 9. 231) Vgl. die R. Taxbücher. 232) Vgl. den Bericht Mechtls v. 1608 i. R. K. Verf. A. 28 (D) u. den Puchers v. 8. März 1612 i. Mzer. Wahl- u. Kröngsakt. 8 a, Bd. 2 a, Nr. 90. 381

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