Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)
VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition
in der Reichskanzlei angestellt1(il). Über seine Tätigkeit vermag ich nur wenig zu sagen, insbesondere über seine konzeptive Arbeit fehlt es an Anhaltspunkten, In den Jahren 1579 und 158c taucht sein Name in den Präsenzlisten des Reichshofrates auf161 162). Häufig scheint er sich in der engeren Umgebung des Kaisers befunden zu haben, den er wiederholt auf die Jagd begleitete163). Mit 31. Januar 1583 wurde er bereits wieder aus dem Dienste entlassen und mit 351 fl. abgefertigt164). Später finden wir ihn als Syndikus des Klosters Camberg wieder, als solchem verlieh ihm Rudolf II. am 12. September 1594 das Palatinat165 166). Weit mehr als die zwei Letztgenannten bedeutete Johann Engelhofer von und zu M a r b a c h. Der Beginn seiner Dienstzeit reicht noch in die erste Regierungszeit Maximilians zurück, seine förmliche Anstellung erfolgte allerdings erst 1576106). Im Taxbuch von 1577 erscheint er zum ersten Male als Kanzleischreiber. Als solcher diente er bis 1583, in welchem Jahre er mit 1. Februar zum Extraordinari-Sekretär ernannt wurde 167). Lange vor seiner Ernennung zum Sekretär hat Engelhofer schon Konzeptsdienst geleistet. Schon aus dem Jahre 1577 finden sich Konzepte von seiner Hand168), die dann rasch zunehmen. Am Konzept der Deklaration der Religionskonzession in Niederösterreich von 1578 ist er in der Weise beteiligt, daß er zahlreiche und umfangreiche Korrekturen anbrachte169). Die Bearbeitung der österreichischen Sachen gehörte auch weiterhin zu Engelhofers Obliegenheiten, er behandelte als Sekretär der österreichischen Expedition am kaiserlichen Hoflager die auf erbländische Angelegenheiten bezüglichen Schriftstücke 17°), später auch einzelne Familienangelegenheiten des kaiserlichen Hauses171), wie die Akten der Verlassenschaft der Königin Elisabeth von Frankreich und die Frage der Renuntiation des Erzherzogs Ernst. Andererseits hat Engelhofer auch schon frühzeitig den Reichssekretären geholfen. Schon 1576/77 war Engelhofer in Reichshofratssachen tätig, welche Agenden er auch späterhin noch versah 172). Ebenso war er auch mit politischen Reichsakten befaßt und hat Erstenberger auf den Reichstagen unterstützt173). 1588 nennt ihn Erstenberger ausdrücklich seinen Gehilfen 174). Seit seiner Ernennung zum Extraordinari-Sekretär hat Engelhofer natürlich auch die kaiserlichen Erlässe und sonstigen Schriftstücke 161) Taxbuch v. 1579. 162) R. H. R. Resol. Prot. Nr. 48 a. 16S) Ygl. Taxbuch 1579 u. 1580. 161) Taxbuch 1583. 165) R. Reg. Rúd. II. Bd. 17, fol. 495. 166) Das Privileg Rudolfs v. 1594 für ihn (vgl. Anm. 176) spricht davon, daß er seit 26 Jahren in der R. K. dient, das 19. Jahr als wirklicher Diener. 167) Taxbuch 1583. 16S) Vgl. Tirol 6: 1577 Okt. 30 Intercession f. Pregel. 16°) Ndöst. 8 a. 17°) Vgl. Ndöst. 8 •>. m) Vgl. Famii. A. 38 u. 39. — Vgl. auch Famii. A. 42: 1595 Juli 6, wo Freymon anläßlich des Ablebens der Erzherzogin Katharina Renata Engelhofer mit der Abfassung eines „klagbriefls“ beauftragt. 172) Vgl. z. B. Jud. mise. 1: W. C. v. Affenstein contra Grfen. v. Zimbern 1576/77. 173) Vgl. z. B. die von Engelhofer konzip. Antwort auf das Schreiben des Kurfsten. v. Sachsen v. 1581 Febr. 18 i. Saxonica 2 c. 174) In dem Gutachten nach Obernburgers Tod i. R. K. Verf. A. 8. 374