Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)
VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition
den „principal secrettario del consiglio secretto“ 103). Unter Rudolf II. ist Obernburgers Stellung zweifellos auch der Umstand zugute gekommen, daß, nachdem Unverzagt nicht mehr am Hoflager, sondern in Wien amtierte, ein Hofsekretär mit dem Wirkungskreise, wie ihn Kobenzl, Lindegg und auch Unverzagt besessen hatten, nicht mehr vorhanden war und eigentlich nur Obernburger und Erstenberger mit ihren Gehilfen die Geschäfte besorgten. Die ziemlich umfangreiche Privatkorrespondenz, die uns von Obernburger erhalten ist, ließe wohl auch seine Stellung in einzelnen politischen Fragen wie seine persönlichen Verhältnisse näher erkennen, darauf kann jedoch im Rahmen dieser Ausführungen nicht eingegangen werden 104 105). In der letzten Zeit seiner Laufbahn wirkte Obernburger auch als wirklicher Reichshofrat an den Sitzungen dieses obersten Gerichtshofes mit. Gemeinsam mit Erstenberger wurde er am 8. Oktober 1587 in den Reichshofrat introduziert10B). Schon mehrere Jahre vorher, 1582, hatte er unter der Anerbietung, noch durch drei Jahre behufs Einführung eines Nachfolgers weiter zu dienen, den Kaiser um seine Entlassung und eine Gnadenverleihung gebeten. Der Kaiser war seiner Bitte nicht abgeneigt, doch schien ihm die Zeit von drei Jahren zu kurz 106). Die Sache scheint indessen, wie auch Obernburgers Ernennung zum wirklichen Reichshofrat beweist, später von ihm nicht mehr verfolgt worden zu sein. In der Nacht vom 16. auf den 17. November 1588 erlag Obernburger einem Schlaganfall107). Er hinterließ eine Witwe Anna und wahrscheinlich mehrere Kinder — wir hören gelegentlich von fünf —, deren ältestes, Sebald, am 26. April 1590 vom Kaiser mit der Hälfte der Knoblachschen Reichslehen im Elsaß, die Obernburger gemeinsam mit Erstenberger erhalten hatte, belehnt wurde 108). Als zweiter Reichssekretär trat nach Kirchschlägers Tode der Licentiat der Rechte Andreas Erstenberger zum Freyenthurn in die Reichskanzlei ein. Erstenberger war aus Bischofsheim an der Tauber in der Mainzer Diözese gebürtig 109). Im Dienste des Erzbischofs Daniel von Mainz tritt er uns zuerst entgegen. 1566 war er Sekretär des Erzkanzlers und erhielt aus den Taxgefällen ein Geschenk von 100 Talern 110 *). Bald darauf wohl kam er als Protonotar an das Reichskammergericht nach Speier und von dort in die Reichskanzlei171). Sein Eintritt in dieselbe muß Ende 1568 oder in den allerersten Wochen des Jahres 1569 erfolgt sein, denn ab 1569 läßt sich seine Tätigkeit bereits verfolgen. Mit 1569 erscheint er in einem auch größtenteils von ihm geschriebenen Protokoll als Sekretär und Pro103) Turba, Venet. Depeschen v. Kaiserhof 3, 597, Anm. 3. 104) Vgl. die Korresp. in R. H. R. u. R. K. Korr. 2. 105) R. H. R. Resol. Prot. Nr. 54 a, fol. 187. 106) R. H. R. Resol. Prot. (Geh. Rats Prot.) Nr. 49 a zu 1582 Nov. 24. 107) R. K. Verf. A. 8. 108) R. Reg. Rúd. II., Bd. 19, fol. 249 v, vgl. auch den Lehenbrief v. 15. März 1588 ebda., fol. 144. — Die Pfraunhaimischen Reichslehen, die sich O. 1579 geben ließ (R. Reg. Rúd. II., Bd. ii, fol. 283), scheint er nicht behauptet zu haben. 109) Vgl. Stieve, Briefe u. Akten 4, 159, Anm. 3. 110) Taxrechnung v. 1566. lu) Vgl. das Diplomskonzept v. 1571 Juli 18 i. Staatsarch. d. Innern. 368