Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition

Präsentationsdaten findet sich sehr oft auch ein in der damaligen Zeit in der Kanzlei, soviel ich sehe, nur von ihm gebrauchter Vermerk „expedit.“ (expeditum oder expedita) auf der Rückseite der Einlaufstücke. Zweifellos ist damit die Abfertigung der Erledigung des betreffenden Stückes gemeint. Trotz seiner umfassenden Wirksamkeit in der Kanzlei scheint mir Haller nicht ein Vertrauensmann der beiden Monarchen in dem Sinne gewesen zu sein, wie es etwa bei seinem Amtsgenossen Singkmoser von der lateinischen Expedition der Fall war 1X). Er scheint an den Sitzungen des geheimen Rates nicht teilgenommen zu haben. Haller verstand es, sich gewisse Vorteile aus seiner Stellung zu sichern. Schon von Karl V. hatte er eine Lehenexspektanz gemeinsam mit Georg Knodt erhalten, die Ferdinand am io. März 1557 bestätigte12) und der am 15. Juli 1559 die Belehnung folgte. Es handelte sich um die Lehen des Ludwig von Eschenau 13). Von Maximilian II. erhielten er und Georg Lang Reichslehen in St. Justina bei Landau14), die wir noch 1578 in ihrem Besitze finden 15). Von Maximilian ließ er sich auch Adel und Palatinat am ii. Januar 1565 bestätigen16). Gegen das Ende des Jahres 1566 ist Haller von seinem Amte zurückgetreten und erhielt vom Kaiser die erbetene Entlassung 1T). Er zog sich nach Regensburg zurück, von wo er mit seinem Nachfolger Obernburger in den folgenden Jahren wegen der Auszahlung eines ihm vom Kaiser angewiesenen Gnadengeldes von 1000 fl. wiederholt korrespondierte. Haller hat dann noch lange fern von den Geschäften gelebt, noch 1585 erhielt er vom Kaiser die Bewilligung zum Verkauf seiner Lehenshälfte bei St. Justina 18). 1578 nennt er sich in einer Vollmacht kurfürstlich pfälzischer Rat19). Gleichzeitig mit Haller war Leopold Kirchschläger deutscher Reichssekretär. Er kam aus der Kanzlei Ferdinands I. her und seine Beamtenlaufbahn läßt sich ziemlich genau verfolgen. Zum ersten Male begegnet er als Kanzleischreiber der Hofkanzlei in einem zwischen die Jahre 1545 und ijjo fallenden Hofstaatsverzeichnis Ferdinands 1.20). Als solcher diente er bis 1552 und erhielt dann die Stelle eines Gegen­schreibers des Taxators Ungelter21). 1555 zum Sekretär vorgerückt und mit einem Gnadengeld von jährlich 125 fl., später 200 fl. bedacht, diente er bis 1567 in dieser Stellung22). Schon vor der Aufstellung der neuen Reichskanzlei bearbeitete Kirchschläger die Reichssachen, so stammen von seiner Hand alle Konzepte zu den in der zweiten Hälfte 1558 ergangenen u) Vgl. unten S. 403 ff. 12) R. Reg. Férd. I. Bd. 6, fol. 2} 5. 13) Ebda. Bd. 9, fol. 294 v. u) 1565 Nov. 20 Bd. 4, fol. 164, R. Reg. Max. IE 15) R. Reg. Rúd. II. Bd. 11, fol. 45 v. le) Vgl. Anm. 2. 17) Vgl. den Brief Max. II. an Hzg. Albrecht v. Baiern v. 7. Dez. 1566 in R. K. Verf. A. 8 (b. Akt Obernburger). 18) Vgl. R. Reg. Rúd. II. Bd. 11, fol. 524. 19) R. Reg. Rúd. II. Bd. 11, fol. 45. 20) Fellner-Kretschmayr, Zentralverwaltg. I/2, 166. 21) Fellner-Kretschmayr I/2, 170 u. 174 u. Ungelters Taxrechng. 1532/53, fol. 4 u. 68. Seit 7. Okt. 1552 war er Gegenschreiber. 22) Vgl. die Hofstaats Verzeichnisse bei Fellner-Kretschmayr I/2, 175 ff,, ferner die Taxrechngen. v. 1557, fol. 66 v u. 1558, fol. 78 V. 358

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