Historische Blätter 7. (1937)

Taras v. Borodajkewycz: Kaiser und Reichserzkanzler bei Beginn des spanischen Erbfolgekriegs

Ständen zustandekommt. Man hat genug Beispiele, daß sich am Ende alle auf Kosten der schwächeren Neutralen schadlos halten! Diese Drohung war besonders an die Adresse des Mainzers gerichtet116. Aber Drohungen sind ein gefährliches Mittel, wo es um die Gewinnung einer Persönlichkeit geht, die auch von der anderen Seite um­worben wird. Das wußte man auch in Wien. Als Graf Schlick nun ein zweites Mal zu dem Erzkanzler gesandt wurde, hatte er wohl in einer Tasche die Drohung, aber in den Händen reiche Angebote. In der Reichs­kanzlei hatte sich bei allem Groll gegen den Mainzer inzwischen doch die Erkenntnis durchgesetzt, daß man der großen Schwierigkeiten, die sich im Reich durch das Bündniswesen der Kreise aufgetan hatten, nur Herr wer­den könnte, wenn man sich seines politischen Führers, des Erzkanzlers, bemächtigte. Der notwendige Abschluß der Verhandlungen mit den See­mächten drängte gleichfalls zu einem entscheidenden Schritt in dieser Richtung, da England und Holland eine Klärung der politischen Fronten im Reich verlangten116. Und endlich war man in Wien zu der Überzeu­gung gelangt, daß man die Wünsche des Erzkanzlers erfüllen müsse, wenn man ihn auf die kaiserliche Seite herüberziehen wollte. Die Verhandlungen, die Ende September einsetzten, waren von einer günstigen Atmosphäre begleitet. Am 7. September war die große Allianz des Kaisers mit Eng­land und den Generalstaaten unterzeichnet worden! Ein wichtiger Punkt, von dem Lothar Franz ständig seine weiteren Entscheidungen abhängig gemacht hatte, war damit erfüllt. Der Kurfürst konnte sich sagen, daß damit die Sicherheit des Rheins eine starke Garantie erhalten hatte. Und was für sein Land und die Festung Mainz noch fehlte, brachten ihm die Verhandlungen mit dem Grafen Schlick, die zu einem überraschend schnellen und guten Abschluß gediehen. Er erhielt jährliche Subsidien von 100.000 Gulden für die Dauer des Krieges zugesagt, von denen ihm das erste Quartal sofort ausbezahlt werden sollte, um die Festung in den nötigen Verteidigungsstand zu setzen. Der kaiserliche Hof versprach weiter seine Intervention bei den Seemächten, um von ihnen noch weitere Gel­der für den Kurfürsten herauszubekommen, die dann der Aufstellung und Ausrüstung des mainzischen Kriegsvolkes dienen sollten. Außerdem erhielt die Stadt Mainz im Falle eines Angriffes jedwede Unterstützung vom Kaiser zugesagt. Dafür verpflichtete sich der Kurfürst, in der spanischen Frage den Standpunkt des Kaisers zu seinem eigenen zu machen und im Reich seine ganze Autorität für die Sache des Kaisers einzusetzen, am Reichstag nicht weniger als bei den Kreisen. Auf dieser Grundlage kam 115 Instruktion für Schlick 14. VIII. 1701, a. a. 0. 118 Wie aus der Instruktion für Schlick vom 14. VIII. hervorgeht. 149

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