Historische Blätter 7. (1937)

Taras v. Borodajkewycz: Kaiser und Reichserzkanzler bei Beginn des spanischen Erbfolgekriegs

worden wäre106. Erst nach langen Überlegungen gab Lothar Franz seine Zu­stimmung zu einem Lager der fränkischen Truppen bei Nekarsulm. Er machte Schwierigkeiten über Schwierigkeiten, als Markgraf Ludwig von Baden für die militärischen Defensivarbeiten am Rhein Kreismannschaften in An­spruch nahm, was den Markgrafen zu der zornigen Äußerung veranlaßte, durch diese Weigerung werde der Kurfürst „den ganzen undank dess Röm. Reichs auf sich ziehen und an dem Ruin deren Craysen die alleinige uhrsach seyn“107. Es waren verworrene Tage im Reich, diese Sommermonate des Jahres 1701. Keiner konnte dem andern trauen, niemand wußte recht, wie er mit seinem Partner daran war. In aller Munde waren dieselben Worte und Beteuerungen und jeder meinte etwas anderes. Der Mainzer versicherte dem kaiserlichen Gesandten, der bayrische Kurfürst lasse sich die Wohlfahrt des Reiches sehr angelegen sein, auf ihn könne man mehr bauen denn auf seinen Bruder!108. Baron Karg, der intrigante kölnische Hofkanzler, beteuerte, daß sie keine Franzosen oder französisch Gesinnte in ihre Länder aufnehmen würden109 — und am Wiener Hof wußte man genau, daß das Gegenteil von diesen Äußerungen der Wirklichkeit ent­sprach. Als Lothar Franz aus dem glücklichen Verlauf des Assoziations­werkes auf den einzelnen Kreistagen den Eindruck gewonnen hatte, daß sein Eisen genügend warm sei, schritt er an die Vollendung des Planes und schrieb überraschend für den 17. August einen gemeinsamen Assozia­tionskonvent nach Heilbronn aus. Die Überraschungsaktion hatte ihre guten Gründe. Sie bezweckte die Ausschaltung des kaiserlichen Einflusses — erst zwei Tage vor dem Konventsheginn wurde dem Grafen Löwenstein- Wertheim von seiner Durchführung offiziell Mitteilung gemacht110 — und dann war der bayrische Kreis mit eingeladen worden, was praktisch be­deutete, daß sich nun Kurbayern und mit ihm Frankreich in das Asso­ziationswerk einschalten konnte. Umsonst bemühte sich der kaiserliche ioe Wratislaw an Lothar Franz 14. VI. und 19. VII. 1701; Bericht Löwenstein- Wertheim 25. VI. 1701. 107 Bericht Löwenstein-Wertheim 23. VIII. 1701. Auch der holländische Gesandte in Wien berichtet unterm 3. IX. 1701 über diese Schwierigkeiten: Weensche Gezant- schapsberichten 1670—1720, hsg. v. G. v. Antal und J. C. H. de Pater II. ’S-Gravenhage 1934 (Rijks Geschiedkundige Publicatien 79), S. 195. 108 Bericht Löwenstein-Wertheim 2. V. 1701. • 109 Bericht Löwenstein-Wertheim 24. V. 1701. 110 Eine erste, allerdings nicht offizielle Mitteilung über den geplanten Konvent hatte Graf Löwenstein-Wertheim Ende Juli erhalten. Bericht Löwenstein-Wertheim 30. VII. 1701. 147

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