Historische Blätter 7. (1937)

Taras v. Borodajkewycz: Kaiser und Reichserzkanzler bei Beginn des spanischen Erbfolgekriegs

die Seite Frankreichs führten 93, die Vorgänge am Niederrhein, die Auf­nahme französischen Militärs in die Festungsbarriere der spanischen Nie­derlande durch Max Emanuel, die Öffnung des Bistums Lüttich und einiger fester Rheinplätze für die Franzosen durch den Kölner Kurfürsten94 * be­wiesen nur zu deutlich, welche Gefahren hinter der Friedensliebe lauern konnten. Man konnte nicht warten, bis die übrigen geistlichen Kurfürsten am Rhein vielleicht diesem Beispiel folgten und die Kreise mit sich zogen. König Ludwig erwartete tatsächlich mit großer Bestimmtheit ein Mitgehen der rheinischen geistlichen Fürsten und der vorderen Kreise, nachdem Bayern die französische Partei gewählt hatte96, und der franzosenfreund­liche kurmainzische Gesandte in Paris, Baron Heiss von Kockenheim, ließ es sich angelegen sein, den König in dieser Meinung zu bestärken98. Über die letzten Absichten des Mainzers mußte für die Wiener Politik einmal Klarheit geschaffen werden. Wohin zielte er mit seiner Aktivität in der Kreisfrage? Nun hatte er sogar für Ende April einen kurrheini­schen Kreistag nach Frankfurt ausgeschrieben, der sich über einen Bei­tritt zur Heidenheimer Assoziation schlüssig werden sollte97. Er bemühte sich, auch den oberrheinischen Kreis zum Anschluß an dieses Bündnis zu bringen und hatte in beiden rheinischen Kreisen eine so mächtige Posi­tion, die ihn wohl hoffen lassen konnte, seine Absichten durchzusetzen98. Bisher war er hartnäckig ausgewichen, wenn er auf den Schaden auf­merksam gemacht wurde, den die Neutralitätspolitik der Kreise dem Kaiser und dem ganzen Reich zufügen könne99. Auch Wratislaw hatte auf seine Vorstellungen nur die Antwort erhalten, daß es eine „gantz innocente“ Allianz sei, gegen die der Kaiser um so weniger Mißfallen hegen dürfe, 93 Joseph Clemens von Köln war bereits am 13. Februar aus der rheinischen Neutralitätsfront ausgesprungen und hatte das zehnjährige Bündnis mit Frankreich ge­schlossen, Max Emanuel folgte ihm am 29. März nach. 04 S. Riezler, a. a. 0., S. 468, 482. 86 ebda., S. 482. 96 Bericht Heiss v. Kockenheim 5. IV. 1701, M. E. A. Korr. 51. 97 Lothar Franz an Wratislaw 13. IV. 1701. 98 Lothar Franz war ausschreibender Direktor des kurrheinischen Kreises und als Fürstbischof von Speyer auch ein angesehenes Mitglied des oberrheinischen. Vgl. 0. Klopp, a. a. 0., S. 383f., dazu aus M. E. A. Kreisakten 21, kurrheinische Kreisakten 8, Friedensakten 72. 99 So schrieb ihm Wratislaw am 5. IV. 1701: „Man sagt hier vor gewiß, dass der beyrische, schwebische, franckische undt ober undt niderrheinische Creiss eine neutra- litet geschlosen, allein ich will hoffen, dass es nur ad lucrandum tempus geschehen undt dass einige conditiones und restrictiones dabeysein werden, dan sonsten würde dieses exempel ihro Majestät dem Keyser undt gantzen römischen reich zu seiner zeit einen unwiderbringlichen schaden zu fügen.“ M. E. A. Friedensakten 84“. 10 143

Next

/
Thumbnails
Contents