Historische Blätter 7. (1937)
Taras v. Borodajkewycz: Kaiser und Reichserzkanzler bei Beginn des spanischen Erbfolgekriegs
cherlei Andeutungen über die Entwicklungen, die sich da im stillen anbahnten, erhalten. Als Reaktion darauf stellte sich sehr bald eine gereizte Besorgnis ein. Gegen ein Flottmachen der Reichskriegsverfassung durch die Kreisstände war nichts einzuwenden, der kaiserliche Hof begrüßte und wünschte dies sogar ausdrücklich als Schutzmittel gegen einen etwaigen plötzlichen Vorstoß Frankreichs gegen das Reich und besonders gegen die österreichischen Vorlande, um deren Schicksal man sehr sorgte, aber die Bildung einer dritten Partei im Reich unter dem Motto einer bewaffneten Neutralität in dem Augenbick, da der Kaiser nur Bundesgenossen brauchen konnte und suchte und mit großer Selbstverständlichkeit auf ein Mitgehen der vorderen Kreise gerechnet hatte69 — es ist klar, daß die Stimmung am Wiener Hof gegen die neue Assoziation und den Erzbischof, in dem man den 'geistigen Vater des Werkes erblickte, keine sehr freundliche war. Gerade der fränkische Kreis war ob seiner Reichs- und Kaisertreue bekannt70 und nun sollten sich Schwierigkeiten auftun in einem Zeitpunkt, da man sie gar nicht brauchen konnte. Am besten, in dieser Frage sofort Klarheit schaffen! Man hatte gehört, daß ein Hauptpunkt der Assoziation die Verhinderung von Truppendurchzügen durch das Gebiet der beiden Kreise wär, unter welchen die fränkischen und schwäbischen Landschaften in jüngster Zeit viel zu leiden gehabt hatten. Noch im Dezember wurde daher dem Erzkanzler durch den Grafen Löwenstein eine schriftliche Mitteilung übermittelt, der Kaiser beabsichtige — nur zur Sicherung des Reiches und der österreichischen Vorlande und ohne jede feindliche Tendenz gegen Frankreich — etliche tausend Mann in die Festungen Freiburg und Breisach zu legen. Man suchte auf den Kurfürsten mit seinen eigenen Argumenten Eindruck zu machen: Die Kreise sollen nicht glauben, daß sie ohne Hilfe nur auf sich allein angewiesen sein werden. Es besteht berechtigte Hoffnung, daß England und Holland den Kaiser nicht im Stiche lassen. Und dann wurde mit einer gewissen Bitterkeit und Entrüstung von den Nachrichten gesprochen, die an das Ohr des Kaisers gelangt, wie der französische Gesandte sich bemühe, den fränkischen und schwäbischen Kreis zu „schädlichen Bündnissen und Neutralitätspakten“ zu überreden; der Kaiser erwarte aber, daß sich die beiden Kreise nicht mit der Krone 69 Vgl. die kaiserl. Instruktion für. Gf. Wratislaw vom 6 XII. 1700, gedruckt kei A. Gaedeke, Die Politik Österreichs in der spanischen Erbfolgefrage, Leipzig 1877, II., S. 100*. 70 H. Polster, Der Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth und seine Rolle in den Reichskriegen 1689—1707 (Erlanger Abhandlungen zur mittleren u. neueren Gesch., XXIII., 1935), S. 50. 137