Historische Blätter 7. (1937)

Taras v. Borodajkewycz: Kaiser und Reichserzkanzler bei Beginn des spanischen Erbfolgekriegs

tige Festung, die den Schlüssel nach Mitteldeutschland bildete und den Rheinübergang decken sollte, in einem trostlosen Zustande n. Lothar Franz wußte nur zu gut, daß seine Residenzstadt bei einem neuen Konflikt je. dem Angriff schutzlos preisgegeben war, fühlte aber auch die Verpflich­tung, ihrer Aufgabe als Festung des Reiches gerecht zu werden. Aber die eigenen Kassen waren hoffnungslos erschöpft, der Kurfürst kämpfte mit einer schweren Schuldenlast, die Heranziehung seiner bambergischen Ein­künfte konnte nur teilweise Abhilfe schaffen. Lothar Franz versuchte sein Glück beim Reichsoberhaupt und ließ in Wien in eindringlichen Vorstellungen den bedrohten Zustand seiner Fe­stung schildern. Nun befanden sich auch die kaiserlichen Finanzen nicht in einer so rosigen Lage, um größere Summen für eine Sache freisteilen zu können, die für den Augenblick doch nicht so dringlich erschien. Wenn die Leitung der Wiener Reichspolitik dennoch kein glattes Nein sagte und dem Kurfürsten durch 3 Jahre einen jährlichen Subventionsbetrag von 30.000 rheinischen Gulden anbot11 12 13, dann tat sie es, um die willkommene Gelegenheit zu benützen, der unbequemen politischen Selbstherrlichkeit des Kurfürsten im Reiche ein für allemal ein Ende zu bereiten. Graf Kaunitz, der Leiter der Wiener Reichshofkanzlei, war gegen den Willen des Mainzers auf diesen Posten gestellt worden1S. Der Assoziationskonflikt des vergangenen Jahres hatte das Verhältnis zwischen Reichserzkanzler und Reichsvizekanzler nicht gebessert14: Ein integraler Anwalt einer habs- burgisch-dynastischen Politik auch in den Fragen des Reichs15, gedachte Kaunitz dem eigenwilligen Schönborn mit der Geldhilfe des Kaisers eine Fessel um die Füße zu legen, die den ersten Kurfürsten des Reichs dauernd an das habsburgische Interesse binden sollte. Die Gegenforde­rungen an Mainz bewegten sich ganz auf dieser Linie: Verzicht auf eigene Politik bei den Kreisversammlungen, Herstellung eines Bündnisses zwischen dem Kaiser und den beiden Kreisen Franken und Schwaben, dem die benachbarten Kreise und Stände nach Belieben beitreten können, engste Zusammenarbeit mit den kaiserlichen Ministern in Regensburg und auf allen Konventen und schließlich: treueste Gefolgschaft in der spanischen 11 Darüber vgl. das kurmainzische Promemoria, R. K. Moguntina 11b. 12 In dem Konzept des „Projectum recessus“ mit Kurmainz vom 22. IX. 1699 (ß. K. Moguntina 11 &) wird diese Summe genannt. Lothar Franz beklagt sich aber ständig, daß ihm nur 20.000 Gulden angeboten worden seien, z. B. gegenüber dem Grafen Schlick (Bericht Gf. Schlick 27. IV. 1701, ß. K. Berichte aus dem Beich, 16). Es hat also im letzten Augenblick wohl eine Herabsetzung der Summe stattgefunden. 13 L. Gross, a. a. 0. S. 59 f. 14 A. Schulte, Markgraf L. W. v. Baden, I., S. 522. 15 H. Hantsch, a. a. 0. S. 50 f. 121

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