Historische Blätter 7. (1937)

Walter Latzke: Das Ende des Wiener Frauenklosters St. Anna

zu verhindern. Sie, die einzelne gemaßregelte Klosterfrau, nahm den un­gleichen Kampf um den Fortbestand ihres Klosters auf und vermochte es, mehr als ein halbes Jahr hindurch dem Kaiser und den Klosterräten zu trotzen. Schon Mitte November überreichte sie dem päpstlichen Nuntius ein Gesuch an den Kaiser. Sie habe, schreibt sie darin, erfahren, der Kaiser beabsichtige, das Kloster „einzuziehen unnd dasselb inn fremhte hanndt und obrigkheit um eine schlechte contribution zu alienieren unnd zu ver- änndern“, sie aber sei entschlossen, in St. Anna zu verbleiben. Sie sei bestrebt, den Konvent durch Aufnahme von Jungfrauen zu erneuern und diese auf den Profeß vorzubereiten. Sie verspreche, den Gottesdienst auf­rechtzuerhalten und die Steuern und Kontributionen pünktlich zu zahlen. Der Kaiser möge seinen Entschluß zurücknehmen, denn dadurch würden seiner Voreltern „fürstlichen Stiftungen, die zu ewiger erhaldung der re- ligionn unnd gar nit ad prophanos usus fundiert worden, ausgelöscht und abgethann“ 60. Der Klosterrat aber erklärte am 20. November, es sei ver­wunderlich, daß die Äbtissin nun gerade das Gegenteil von dem wolle, was sie im August erbeten habe; sie sei ziemlich alt, kränklich und zur Leitung von Konvent und Wirtschaft weder physisch noch moralisch geeignet61. In der Frage der Verwendung der Güter von St. Anna aber beantragte der Klosterrat am 12. Dezember eine Kompromißlösung: die Jesuiten sollten jährlich 500 fl. erhalten, das übrige aber möge zur Deckung der 2500 fl. betragenden Schulden des Klosters, zur Entrichtung der Steuern und Kontribution, zur Erhaltung des Gottesdienstes und der Gebäude und in letzter Hinsicht zur Tilgung der Schulden von St. Jakob verwendet werden. Die Verwaltung der Güter möge das Kloster St. Jakob durch einen tauglichen Hofmeister führen, „dardurch wuerde es, bey meniglich und sunderlich dem herrn ordinario unverweislich, bey der geistlichkeit piß zu anderer gelegner zeit und Wiederersetzung erhalten“62 63. Der Kaiser erließ in diesem Sinne seine endgültige Resolution vom 14. De­zember 15716S. Aber noch war der Widerstand der Äbtissin nicht gebrochen. Als die Kommissäre des Klosterrates Dr. Stephan Schwarz, Dr. Christoph Hillinger und Jakob Öchsel am Neujahrstage 1572 die kaiserliche Resolution vollziehen wollten, weigerte sich Regina Halpeyrin, das Kloster zu verlassen, da das Klo­ster St. Jakob einer anderen Ordensregel angehöre. Sie blieb gegenüber allen 60 or.; ebendort. 61 Bericht des Klosterrates an den Kaiser (conz. und or.); ebendort. 62 Bericht des Klosterrates an den Kaiser (conz.); ebendort. 63 or.; ebendort. — Beilage 1. 109

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