Historische Blätter 6. (1934)

Walther Latzke: Besitzgeschichte der Deutschordenskommende Wien im 14. Jahrhundert

ordens beim Papste zu erwirken. Er hat in den nächsten Monaten beide erfüllt3. Man wird nun nicht fehlgehen, wenn man in diesen besonderen Beziehungen, in die wir den Orden unmittelbar bei seiner Umwandlung 1198 zu Wolfger von Passau einerseits und zu den Babenbergern ander­seits treten sehen, die Wurzeln der Entstehung des Ordenshauses in Wien erblickt. Wenngleich uns die Existenz dieses Hauses erst für 1237 aus­drücklich urkundlich bezeugt ist4, so muß man seine Entstehung doch viel weiter zurückverlegen. Die von Herzog Leopold VI. bestätigte Schenkung Ottos von Gallbrunn über ein Lehen zu Hengeszagel 5 setzt, wenn anders eine solche Schenkung einen Sinn haben soll, das Vor­handensein einer Ordensniederlassung in nicht allzu weiter Ferne von dem Schenkungsobjekt voraus. Der Name des Schenkers führt uns in die Gegend von Höflein bei Bruck an der Leitha. Wir wissen nun, daß die Ordenskommende Wien in jener Gegend im 14. Jahrhundert einen ausgedehnten Zinsbesitz innehatte, und kommen unschwer zu dem Schlüsse, daß der Empfänger der Schenkung Ottos von Gallbrunn ein eben 1210 schon bestehendes Ordenshaus zu Wien gewesen sein muß. Die allgemeine Fassung „domui hospitalis Teotonicorum sancte Marie“ ist kein Beweis dagegen; sie ist für jene Frühzeit Regel und begegnet uns noch zu einer Zeit, wo das Wiener Ordenshaus längst bestand 6. Und nun eine weitere Erwägung: das Wiener Ordenshaus steht in un­mittelbarster Nähe der Passauischen Pfarrkirche St. Stephan. Da will es doch scheinen, als ob bei der Wahl des Platzes Beziehungen des Ordens zu Passau mitgespielt hätten; und sie waren niemals enger als unter Wolfger, der, wie wir sahen, bei der Umwandlung des Hospitals in den Ritterorden eine hervorragende Rolle gespielt hatte. Wolfger aber hat schon 1204 seinen Passauer Sitz mit dem Patriarchenstuhle von Aquileja vertauscht; wenn wir nun seine Mitwirkung an der Gründung des Wiener Ordenshauses annehmen wollen, kommen wir notwendig in die Zeit zwischen 1198 und 1204. Der Gründer aber ist zweifellos Leopold VI. und die Gründung mag sich vielleicht unmittelbar an jene Heimführung der Leiche Friedrichs I. durch Wolfger angeschlossen haben oder wenigstens damit in Zusammenhang stehen. Daß Leopold VI. es war, der die „Brüder vom Deutschen Hause“ 3 Juritsch, 1. c., 356; Zingerle, Rreiserechnungen Wolfgers von Ellenbrechts­kirchen, S. XIV. 4 Quellen z. Gesch. d. Stadt Wien (fortan abgekürzt mit Q), I 9/17195. 5 Q I 9/17193. 8 Vgl. Q I 9/17207. 50

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