Historische Blätter 6. (1934)
Fritz Reinöhl: Briefe der Kaiserin Maria Theresia an Erzherzog Maximilian Franz
errungenen Erfolg beimaß, spricht aus ihnen; der Plan, diese Stellung weiter auszubauen, tritt in Erscheinung. Sie mißbilligt den von Max Friedrich mit den Generalstaaten geschlossenen Subsidienvertrag. Ihre Sorge über die Entwicklung, welche die Dinge in den österreichischen Niederlanden nehmen, wird laut. Die Trübung der Beziehungen des österreichischen Hofes zu Bamberg und Würzburg findet ihren Niederschlag. Bemerkenswert sind auch die Hinweise, die sich auf die Zensur der Briefpost durch die deutschen Staaten, namentlich durch Bayern, hier finden. Vor allem aber treten in diesen Briefen die Wesenszüge der Kaiserin voll in Erscheinung, ihr hohes Pflichtgefühl, ihre Rechtlichkeit, ihre Treue und Dankbarkeit gegenüber allen, die dem Staate, die ihr und ihren Kindern dienten, ihre mütterliche Fürsorge, ihre innige Liebe zu allen ihren Familienangehörigen, namentlich zu dem jüngsten ihrer Söhne, den sie besonders ins Herz geschlossen hatte. Auch diese Briefe sind, wie Heinrich Kretschmayr einmal treffend gesagt hat12, ein rechter Fürsten- und Menschenspiegel. Als Zeugen der Wesenheit dieser größten deutschen Frau verdienen die Briefe veröffentlicht zu werden. Ihre Veröffentlichung soll aber auch dartun, daß das Haus-, Hof- und Staatsarchiv die Überlieferung, das Andenken seiner Gründerin zu pflegen, bewahrt. In der Textgestaltung wurden die Grundsätze, welche die Konferenz der deutschen landesgeschichtlichen Publikationsinstitute 1930 festgelegt hat, befolgt. Die Schreibung der Vorlage wurde unverändert beibehalten, die Verwendung der großen Anfangsbuchstaben und der Akzente dem heutigen Gebrauch angepaßt, ebenso die Setzung der Satzzeichen, wobei natürlich die von der Kaiserin spärlich verwendeten Zeichen — sie setzte nur wenige Punkte — beachtet wurden. Da jedoch der Satzbau vielfach deutsch, nicht französisch ist, mußte dies bei der Zeichensetzung berücksichtigt werden. Auf einige Eigenheiten der Schreibung der Kaiserin muß noch verwiesen werden: Die dritte Person der Einzahl des présent de l’indicatif von avoir schreibt sie stets at, at setzt sie vereinzelt auch statt ä. Die dritte Person der Mehrzahl des présent de l’indicatif schreibt sie häufig mit ant statt ent. Den impératif schreibt sie vielfach mit é statt ez (oublié statt oubliez). Die zweite Person Mehrzahl des présent de l’indicatif von étre schreibt sie est. Statt ä cette heure schreibt sie asteur. 12 Maria Theresia, Gotha 1925, S. 200. 25