Historische Blätter 5. (1932)

Dr. Julius Marx: Eine vormärzliche Wirtschaftskrise im Lichte der amtlichen Berichte

Eine vormärzliche Wirtschaftskrise im Lichte der amtlichen Berichte. Von Dr. Julius Marx. Der Aufschwung der Großindustrie datiert in Österreich erst seit dem merkantilistischen Zeitalter, in dem die Großbetriebe auf fabriks­mäßiger Grundlage entstanden. Ihre Privilegien bilden unter Josef II. schon einen Bestandteil der Gewerbeverfassung. Die Zünfte, durch sie gefährlich bedroht, fochten sie sogleich heftig an und diese Gegnerschaft überdauerte den Vormärz. Auf sie gehen auch die reaktionären Maß­nahmen Franz I. zurück, welche die Behörden mit bewußter Ausnützung des schleppenden Verwaltungsganges unwirksam zu machen verstanden. In der Gewerbepolitik war nämlich unter Einwirkung der Smithschen Lehren eine bemerkenswerte Änderung erfolgt: die Hofkammer hatte 1809 die Liberalität zum obersten Grundsatz erklärt. Gleichzeitig traf sie eine endgültige Einteilung der Gewerbe in Kommerzial-, die für den Export, und Polizeigewerbe, die für den Ortsbedarf erzeugten. Alle weiteren Versuche, die Gewerbeverfassung zu reformieren, kamen über Teilergebnisse nicht hinaus. Die Franzosenkriege, namentlich die Kontinentalsperre, brachten tief eingreifende Änderungen. Einzelne Zweige gewannen wohl, andere aber, z. B. das so wichtige Eisengewerbe, verloren ihren auswärtigen Markt gänzlich. Die schwerste Erschütterung brachte jedoch in ganz Europa die Aufhebung der Kontinentalsperre. Österreich bezog Ober­italien in die Prohibition ein und vergrößerte so seinen inneren Markt, doch ließen die gleichzeitigen Mißernten keine fühlbare Wirkung er­kennen. Das Abklingen dieser größten Industriekrise vor unserer heuti­gen erfolgte langsam. Erfindungen, z. B. in der Glasindustrie, oder technische Neuerungen, beispielsweise der Puddlingprozeß in der Eisen­erzeugung, endlich die fortschreitende Konzentration, namentlich in den Textilzweigen, halfen bei der Überwindung mit. Die Kohle spielte in dieser Zeit noch immer keine Rolle, nur in Wittkowitz verwendete man um 1840 Koks, und die Wasserkraftausnützung hemmte das Eindringen der Dampfmaschine im Metallgewerbe. Immerhin ging es aufwärts, wie die ersten Ausstellungen dartaten, und die durch sie veranlaßten Grün­dungen von Gewerbevereinen zeigen auch das erwachte Bewußtsein der 36

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