Historische Blätter 5. (1932)
Ferdinand Bilger: Karl Albert von Sardinien und General Thurn
Maßnahmen gewonnen und damit ein rascher und dauerhafter Frieden erreicht werden 36. Es paßte in die gegenwärtige Lage, daß Komplikationen vermieden wurden 37. In diesem Sinne konnte Radetzky mit dem Entkommen Karl Alberts jetzt in der Tat einverstanden sein und das Wort vom „Diplomaten“ sprechen über einen Offizier, der in Wahrheit einen nicht geringen Teil seiner Lebenszeit wirklich Diplomat gewesen war 38 und dem eben in jener Nacht der König gesagt hatte, wie sehr man sein Verhalten als Kommandant in Piacenza in seinem Lande gewürdigt und gedankt habe 39. Damit gelangen wir aus den Räumen der wiederherstellenden Phantasie — ohne die es schließlich keine Geschichte gibt — zurück auf den festen Boden der Akten. Denn eben jene Bemerkung Karl Alberts über Thurns Benehmen in Piacenza macht sich jetzt Heß noch am gleichen Tage, an dem er Thurns Meldung erhält, zunutze. Am 27. März gibt er an Generalleutnant Lamarmora die Bestimmung des Generals Thurn zum Befehlshaber der Okkupationsarmee für die be33 Konzept des Motivenberichtes an Schwarzenberg (26. März), Nr. 714/op. (KA. FA. 1849-3-213), insbesondere die Stellen: „Ich zog daher das Sicherere, Gediegenere dem Ruhmvolleren vor...“ und „Ich bekenne daher, dass ich die ganze Schuld der Vergangenheit auf den König Karl Albert werfend, Piemont mit Groß- muth behandeln würde.“ Über die Differenzen zwischen dem Generalstabschef Radetzkys, Feldmarschalleutnant Hess und dem Generaladjutanten Schönhals, auch hinsichtlich des Manifestes (Losung Turin), vgl. Mollinary, „46 Jahre im österr. ung. Heere“, I, S. 161 f. — Hinsichtlich der schärferen Tonart Schwarzenbergs die ganze Folge der weiteren Korrespondenz zwischen dem Hauptquartier und dem Ministerpräsidenten im Kriegsarchive. 37 Siehe Thurns Brief an Douglas von Dietrichstein oben, Anm. 35. 38 Wurzbach a. a. O., S. 120. Von 1816 bis 1825 als Legationssekretär und stellvertretender Geschäftsträger in Petersburg und als außerordentlicher Gesandter in Stuttgart. 39 Siehe oben im Text den Originalbericht Thurns an Radetzky. Auf Grund der Feldakten 1848 im Kriegsarchiv: Hauptarmee 9/51 sowie 4. Korps, August 1848 (55, 56, 62, 67 a, b, c, 68, 70 a—f, 78 a, 89 a, 97, 141, 143, 187, 212), September (1, 21, 22, 23 a, 34 a, b, 38 a, 41a, 47, 74 a, b, c), und Dezember 1848/79 a, sowie Gesamtbericht 13/439, S. 173 und 177, ergibt sich, daß nach der Besetzung Piacenzas im August 1848 durch das 4. Korps (vgl. den Waffenstillstandsvertrag bei Hilleprandt S. 110, Pkt. 3) eine Reihe von Schwierigkeiten, welche sich durch die piemontesische Zivilverwaltung, die noch eine Zeitlang vor der Wiedereinsetzung der alten parmensischen Regierung fortwährte, entwickelt hatten, durch Feldmarschallleutnant Thurn mit glücklichem Takte im Einvernehmen mit General Lamarmora, der dort gegenüberstand, erledigt wurden. Dasselbe war auch bei verschiedenen Gebietsverletzungen, die von beiden Seiten vorkamen, der Fall. 20