Historische Blätter 4. (1931)
Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes
britannien die italienischen Küsten 194. Dies alles freilich sollte sich später als nutzlos erweisen und die Lega hätte daran wohl nicht viel geändert. Trotzdem können auch wir der Idee den großen Zug nicht absprechen, wenn wir mit Srbik in ihr ein notwendiges Glied des ganzen großen Systems Metternichscher Erhaltungs- und Gleichgewichtspolitik sehen, wenn wir sie in der analogen Behandlung zur deutschen Frage erfassen 195. Die Lega hätte den 300jährigen Kampf mit Frankreich in und um Italien für immer zu Österreichs Gunsten beenden und mit die Ruhe Europas verbürgen sollen. Sie war gedacht als der Schlußstein eines gewaltigen mitteleuropäischen Staatengebildes, das in vieler Hinsicht das heilige römische Reich erneute und Österreich zu dessen ideellem Nachfolger in Deutschland und Italien erhob 196. Und es hätte dieses neue Reich wohl auch die befriedende Wirkung üben können, die man dem mittelalterlichen nachgesagt hat: Mächtig genug, um fremde Angriffsgelüste nicht aufkommen zu lassen, doch aber so lose, daß es eigene nicht haben konnte. So hätte es wirklich eine Bürgschaft des Friedens für Europa sein können und daß es immer das ganze Europa war, das Metternich mit seiner Politik umfaßte, hat uns ja Srbik gelehrt. Leider, daß dem großen Gedanken des österreichischen Staatsmannes in der starken Betonung der Polizei der kleinliche Zug nicht fehlt. Wenn wir schließlich noch mit Srbik die Frage aufwerfen 197, ob nicht die Lega, trotz allen ihren Gebrechen, auch vom italienisch-nationalen Standpunkt aus der völligen Selbständigkeit der Teile vorzuziehen gewesen wäre, so wird man, wenigstens von der damals gegebenen Lage aus, wohl auch mit ja antworten müssen. Eine gewisse nationale Einheit und Sicherheit hätte sie doch gegeben und den Fürsten ihr Land, ihre monarchische Stellung garantiert. War ja deshalb auch die föderative Strömung in Italien damals recht stark und hat auch König Viktor Emanuel mit dem Gedanken gespielt, hätte sich unter gewissen Bedingungen sogar die österreichische Liga gefallen lassen. Schließlich gab es auch Italiener, die einsichtsvoll genug waren, zuzugestehen, daß man von Österreich nicht verlangen konnte, es sollte nach opfervoll errungenem Sieg auf seine Vormacht und seine Provinzen in Italien edelmütig ver194 Srbik, Mett., Bd. 1, S. 675; MIÖG, Bd. 40, S. 124. „Aus Metternichs nachgelassenen Papieren“, hg. von A. v. Klinkowström, W. 1880 f., Bd. 3, S. 84 f. 195 Srbik, Mett., Bd. 1, S. 206 f. 196 Ebenda. 197 MIÖG, Bd. 40, S. 124. 75