Historische Blätter 4. (1931)

Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes

Auch noch in den nächsten Jahren hat Metternich die eine oder andere Gelegenheit benützt, um auf seinen Plan zurückzukommen 188. So beim Großherzog von Toskana anläßlich eines Besuches 1817, doch lehnte es dieser ab, die Initiative zu einem neuen Vorstoß zu ergreifen 189. Auch die Bemühungen, die 1819, wie es scheint, bei mehreren Fürsten unternommen wurden, hatten nicht mehr Glück 19°, ebensowenig ein Versuch 1820 bei Consalvi191. Schließlich lancierte Metternich in Laibach 1820 und in Verona 1822 wenigstens eine lega postale und brachte in Verona auch nochmals den Gedanken der Zentralunter­suchungskommission vor, doch es blieb alles ohne Erfolg192. Gleich­mäßig sträubten sich Sardinien und der Papst und sogar Toskana. Die letzte klare Erwähnung in den Wiener Akten ist aber doch wieder der Verzicht. In der Instruktion für den bisherigen Legationsrat und Nachfolger Starhembergs in Turin, Baron Binder, vom 6. September 1820 sagt Metternich 193, Österreich habe seine freundschaftliche Ge­sinnung gegen Sardinien sowohl in der Räumung Alessandrias gezeigt, als auch im Fallenlassen von Projekten, die seine Zustimmung offenbar nicht gefunden haben. Das ist das eigentliche Ende des Legaplanes. Wir haben Metternichs italienische Bundespolitik von den ersten erkennbaren Anfängen der Idee an bis zu ihrem endgültigen Scheitern verfolgt. Nun wollen wir zum Schluß nur nochmals auf eine schon im Vorwort berührte Frage zu sprechen kommen, inwieweit es nämlich be­rechtigt wäre, von den dunklen Plänen Metternichs und Österreichs Herrschsucht zu sprechen, wie es wenigstens bei den älteren italienischen, übrigens auch deutschen Historikern, und da nicht nur bei Treitschke, ungefähr heißt. Zwar hat es sich die moderne Geschichtschreibung seit Ranke abgewöhnt, moralische Zensuren auszuteilen; sie will nicht mehr richten, sie will nur verstehen. Trotzdem wird der Staatsmann doch 188 Ist mir nur aus der Literatur bekannt, in den Akten fand ich nichts darüber. 188 Bianchi a. a. O. S. 218 f., Reuchlin a. a. O. Bd. 3/1, S. 71, Farini a. a. O. S. 299. 190 Perrero a. a. O. S. 229. 191 Bianchi a. a. O. S. 237. 192 Bianchi a. a. O. Bd. 2, S. 91, 130, 150; Oiovagnoli a. a. O. S. 329; Srbik, Mett., Bd. 1, S. 606; Brosch, Kirchenstaat, Bd. 2, S. 306. 193 Konz., St. A. W., Sardaigne, 1820. 73

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