Historische Blätter 4. (1931)
Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes
beide sollten sich an die Spitze einer ligue fédérative setzen und sich in die Vormacht teilen. Sardinien hat also die Hand zum Abschluß des erstrebten Bundes geboten, eines Bundes freilich, der kein österreichischer mehr, sondern ein österreichisch-sardinischer gewesen wäre. Metternich hat die Hand, die ihm geboten wurde, nicht ergriffen. Er sagte nicht nein, aber er schwieg. Er schwieg, weil, wie er später sagt127, eine solch ausgebaute Lega seinen Absichten nicht entsprach, da er nur an eine Vereinbarung über gemeinsame Verteidigung und Garantie der Unabhängigkeit gedacht habe. Richtiger war wohl noch, was Vallaise meinte128, daß die Forderung nach Gleichheit, wonach der Kaiser nur als italienischer Fürst beitreten sollte, gar nicht gefallen habe und so sei davon nicht mehr gesprochen worden. Schon Ende August berichtete Revel129 130, daß Metternich in mehreren Unterredungen die Lega mit Schweigen übergangen habe. Es bestätige das die Ansicht von Vallaise, daß der Kanzler gar keinen so großen Wert auf sie lege, daß nur Starhemberg seine Mission wichtig machen möchte. Er, Revel, hat alles getan, was man in Wien verlangen könne. Weiter will er nicht mehr gehen, jetzt, da Sardinien aus Frankreichs Händen Savoyen empfangen soll. Auch in einer neuen Audienz Mitte September hat Metternich kein Wort über die Lega verloren 13°. Nun aber greift eine neue Macht in die Verhandlungen ein, die es wahrscheinlich nicht zu Österreichs Gunsten tun wird, nämlich Rußland. Fürst Kosloffsky sondierte in Turin und riet vor etwa vorgebrachten territorialen Tauschplänen auf der Hut zu sein. Ähnlich hatten auch schon in Paris Pozzo di Borgo und Capodistrias zu Revel gesprochen, der ihnen allerdings nicht recht getraut hatte. Immerhin gab Vallaise den Auftrag, im gegebenen Augenblick mit den beiden Ministern ins Einvernehmen zu treten, obgleich er aus einer Weigerung oder auch nur Verzögerung immer noch zahllose Schwierigkeiten besonders wegen Alessandrias befürchtete. Aber, sagte er bereits, immer noch besser, als schwach sein, denn schließlich würde sich ganz Europa, das heißt wohl Rußland, eines unterdrückten Sardinien annehmen. Bei allen Bedenken 127 Weisung von 1816 Mai 7, s. o. 128 An de Maistre in St. Petersburg, 1815 Dez. 1, St. A. T. Registro secreto n. III. fol. 32 ff. 129 An Vaillaise, Par. 1815 Aug. 28, Or., St. A. T. 130 Revel an Vallaise, Par. 1815 Sept. 19, Or., St. A. T. 61