Historische Blätter 4. (1931)
Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes
in Italien, da Österreichs derzeitiger Besitzstand auf der Halbinsel zusammen mit den kleinen habsburgischen Dynastien die Unabhängigkeit bedrohe. England und Rußland würden damit auch einen treuen Bundesgenossen sowohl gegen Frankreich, wie gegen Österreich gewinnen. Freilich weiß man, daß England das österreichische Bündnis für unerläßlich gegen Rußlands Übermacht halte, aber vielleicht sei gerade jetzt die Gelegenheit, Österreich durch Entschädigung mit deutsch-französischen Grenzgebieten in Italien zu beschränken. Natürlich darf Revel auch Sardiniens Lage gegenüber Österreich nicht vergessen und er hat auch Metternich Aufklärungen über die Verzögerung zu geben. Sollte die Lega gar nicht zu umgehen sein, so muß er doch an gewissen Punkten unbedingt festhalten, und zwar: 1. Der König steht auf der Einladung an die Fürsten mit dem Kaiser gleich. 2. Sonderverträge zur Verteidigung Italiens sind ausgeschlosen. 3. Die Bundesbeiträge werden proportioniert zwischen Kaiser und König verwendet. 4. Der Vertrag lautet nur auf zehn Jahre. 5. Er tritt erst nach dem allgemeinen Frieden in Kraft. Und 6. sollen durch einen geheimen Artikel bessere Grenzen gegen Frankreich durchgesetzt werden. Unter diesen Bedingungen wäre also Sardinien zu einer Lega zu haben gewesen. Revel selbst machte sich geradezu zum Vertreter des Legagedankens, zumal er in Paris, wohl nicht ohne Zutun Metternichs, zur Überzeugung kam, daß Frankreich noch auf lange hinaus in ständiger Revolution sich befinde. So nahm er jene Bedingungen, die Vallaise gestellt hatte, als Aufforderung, „die Sache unmittelbar zu, unternehmen“ 119 120, und Vallaise, im Vertrauen auf Revels Erfahrung und im Hinblick auf die Gefährlichkeit Frankreichs und auf Englands Versagen, stimmte zu119. Allerdings es sollte nicht umsonst sein. Es heiße zwar, daß Österreich die savoyischen Wünsche unterstütze, doch fürchtete Vallaise eine Gegenrechnung, etwa einen Teil des Novaresischen. Er wünschte endlich noch, daß der Abschluß in einem Augenblick erfolge, wo er als spontaner Ausdruck des Vertrauens erscheine. Er möchte daher auch, wenn es ohne Beleidigung Starhembergs möglich sei, den Pakt lieber durch Revel in Paris machen lassen, wo man den Wechsel der politischen Lage leichter übersehen und ausnützen könnte. So ist im Juli und auch noch im August die Stimmung in Turin legafreundlich 12°. Der König versicherte Starhemberg, wie sehr er sich Österreich verpflichtet fühle und die vitalsten Interessen ihn zum 119 Vallaise an Revel, 1815, Aug. 13. Reg. seer. n. II, fol. 74 ff., St. A. T. 120 Bericht Revels, Par. 1815, Aug. 16, Or., St. A. T. 59