Historische Blätter 4. (1931)
Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes
ganz andere Artikel gehabt habe als der neue. Damals sei freilich Murat noch nicht besiegt gewesen. Im ersten Vertrag laden der Kaiser und der König gemeinsam die italienischen Fürsten ein, was doch wenigstens eine Schmeichelei bedeute und die Garantie erstreckt sich auf die Grenzen des Pariser Vertrages, jetzt nur mehr auf die Gebiete innerhalb der Alpen. So war also die Überrumpelung durch Starhemberg mißlungen. Vallaise verlangte neue Verhandlungen über alle Punkte, die über die früheren Verträge vom 9. April, 1. und 14. Juni hinausgingen und erkannte infolge jener Verträge dem gegenwärtigen Fall die Dringlichkeit nicht zu, zumal der König auch an die Quadrupelallianz gebunden sei. Nach lebhafter Konferenz blieb Starhemberg schließlich nichts übrig, als den Rückzug anzutreten und zu erklären, neue Instruktionen erbitten zu müssen. Anfang Juli gab Metternich diese Weisungen 110 111, offenbar ohne sich über die Größe der Schwierigkeiten schon klar zu sein. Starhemberg sollte nicht drängen, aber mit Festigkeit das Ziel verfolgen, besonders auf Sardiniens eigenen Vorteil und seine savoyischen Wünsche hinweisen. Von einer Föderation mit dem Kaiser und dem König an der Spitze sei nie die Rede gewesen, nur von einem Defensivsystem unter Österreich. Wäre es doch auch lächerlich, wenn der Souverän mit 500.000 Mann sich unter den mit 25.000 stellen sollte. Es zögerte aber auch der König, sich dem Kaiser zu unterstellen, und hier war es ganz besonders die Furcht, zum bloßen Vasallen Österreichs herabzusinken. Er wolle, schreibt Vallaise in seiner Weisung an Ágiié, dem König eine traurige Knechtschaft ersparen. Ein vorsichtiges und taktvolles Auftreten der Österreicher wäre daher sehr ratsam gewesen. Leider scheint sich aber Metternich in der Person seines Gesandten stark vergriffen zu haben. Über die Knechtschaft, sagt Vallaise m, ließ Starhemberg keinen Zweifel, indem er erklärte, eine Ablehnung würde Verdacht über die Gesinnung des Königs erwecken und man wolle sich dem nicht wieder aussetzen, daß er sich dem Meistbietenden anschließe und Fremde nach Italien führe. In Turin war man zunächst empört über das brüske Auftreten, dann aber nahm man den Gesandten nicht mehr ganz ernst. Der König nannte ihn einmal den „bombardatore della nostra corte“112 und man glaubte, daß sein Drängen nicht eigentlich im Aufträge Metternichs geschehe, sondern nur er selber wolle „faire des affaires“. 17 Jahre sei er in London gewesen 110 Nancy 1815 Juli 6, Konz. St. A. W., Sard. 1814/6. 111 An Ágiié, s. o., ähnl. an Revel am 7. Juli, s. u. 112 An s. Bruder, 1815 Dez. 13, Bianchi, stör, doc., Bd. 1, S. 223. 57