Historische Blätter 4. (1931)
Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes
besonders im Auge behalten und allenfalls auch nach Wien berichten; denn man fürchtete die Tätigkeit, die die englischen Agenten in der letzten Zeit am Hofe von Messina entfaltet hatten und ein konstitutionelles Regiment müßte die Ruhe von Italien stören. Dies also war Metternichs Auffassung und Absicht. Das Frühjahr 1815 schien aber seinen Plänen auch noch weitere Erfolge bringen zu wollen. Unter dem Eindruck der Bewegungen Murats war auch das gesamte heilige Kolleg zur Überzeugung gekommen, daß die Lega sich doch machen lasse 91. Auch Consalvi sagte jetzt, Ende März, eine Offensivliga hätte er unbedingt zurückgewiesen, eine defensive aber habe er trotz den früher vorgebrachten Grundsätzen geglaubt, nicht ablehnen zu dürfen 92. Zum Abschluß freilich ist es auch jetzt nicht gekommen. Auch ein anderer Plan, um diese Zeit versucht, begegnet sofort dem gewohnten Mißtrauen. Österreich hatte vor den Kriegen ausgedehnte Postrechte und auch Postämter in mehreren Städten Italiens besessen. Begreiflich, daß Metternich sie nicht wollte verlorengehen lassen. Bedeuteten sie doch, wie er dem Kaiser in einem Vortrage Ende April darlegte 93, große finanzielle, aber auch politische und, was vielleicht besonders einleuchtete, polizeiliche Vorteile. Man mußte also Postämter in Rom, aber auch in Neapel und Florenz errichten. Selten sei der Augenblick so günstig wie jetzt während der Besetzung, um Verträge abzuschließen und die Oberleitung zu übernehmen und eine möglichste Konzentrierung des italienischen Postwesens in der Hand Österreichs vorzubereiten. Aber der schöne Plan stieß sofort auf den entschiedenen Widerstand der Kurie, die sich in ihrer Souveränität verletzt fühlte und Metternich hielt es für klüger, nachzugeben und zu verzichten 94. Am 12. Juni 1815 konnte Consalvi den offiziellen Dank für die Schließung der österreichischen Post in Rom aussprechen 95 96. Die Souveränitätseifersucht hat auch in den anderen Staaten, selbst in Toskana, die Postpläne jetzt wie später zum Scheitern gebracht °6. 91 „Gie possa farsi“ schreibt Pacca an Consalvi am 18. März 1815, b. Rinieri a. a. O. n. 48, Chiffre. 92 An Pacca, März 29, Chiffre, ebda. n. 51, S. 439. 93 1815 Ap. 28, Or., St. A. W., Vortr., Fasz. 291. 94 Korr, mit Lebzeltern in Rom, 1814 Mai 22, Kop., Mai 23, Kop., Juli 20, Kop., 1815 Jänner 7, Or., Mai 2, Or., St. A. W., Kirchenst. 1812/4. 65 Ch. van Duerm S. J., Corr. du card. Consalvi avec le prince de Metternich, 1815—23, Löwen-Brüssel 1899, S. 69, Bertolini a. a. O. S. 18. 96 Bertolini a. a. O. S. 10, Bianchi stör, doc., Bd. 1, S. 215. 54